Ängste

Im Supermarkt an der Kasse: Vor mir eine Gruppe Jugendlicher, die ein alkoholisches Mixgetränk erstehen wollen, das Hochprozentiges enthält. Die Kassiererin lässt sich Ausweise zeigen, bleibt aber unsicher, ob sie den Kids die Ware verkaufen darf, und ruft den Filialleiter an: “Hier möchte jemand einen wodkahaltigen Alkopop kaufen. Der ist aber erst 16. Ist der nicht zu jung dafür?”

Mit einem Mal überläuft es mich kalt und ich blicke ängstlich in meinen eigenen Einkaufswagen. Mit Angstschweiß auf der Stirn stelle ich mir vor, wie die Kassiererin noch einmal ihren Vorgesetzten anrufen muss und ihn skeptisch fragt: “Hier möchte jemand eine NEON kaufen. Die Kundin gehört aber nicht mehr zur Zielgruppe ‘Studenten und Berufseinsteiger’, das sehe ich doch. Ist die nicht zu alt dafür?”

Ich hab schon ein panisches “Das ist für meine kleine Schwester!” auf den Lippen, als ich kommentarlos abgefertigt werde. Grade noch mal gut gegangen!

Vom Freitag gelernt

Nix. An Freitagen kann man mal aufhören mit der Lernerei.

Zweiwöchige Kreativpause. Man liest sich!

Erfolg, Erfolg!

Es ist spät. Ich bin müde. Es ist weit nach 1.00 Uhr nachts. Ich habe mich stundenlang mit Buchhaltung und einem absolut nicht ordentlich funktionierenden ElsterFormular zur Datenübermittlung meiner Steuererklärung ans Finanzamt herumgeschlagen. Kann man sich vorstellen, was das mit der Laune macht?

Und doch hab ich Grund zur Freude: Jeder googelt ja hin und wieder seinen eigenen Namen  – das hat sogar eine Bezeichnung: “Google-Onanie” nennt man das. Ich googele nicht nur meinen Taufnamen, sondern in regelmäßigen Abständen auch den Begriff “Textsektor”, schon seit ich meine geschäftliche URL so benannt hab, das war vor mehr als vier Jahren. Unternehmerische Suchmaschinenonanie sozusagen. Und immer, immer, immer hat mich die Autocomplete-Funktion der größten aller Suchmaschinen gefagt: “Meinten Sie vielleicht Textilsektor?” Immer war das so – bis heute Nacht. Jetzt nicht mehr. Ich gebe “TEXTSEK” ein und das Suchfeld bei Google macht eigenständig “TEXTSEKTOR” draus. War bisher nie so. Mein Sektor ist also angekommen. Endlich. Meine Vorsteuererklärung übrigens auch, beim Finanzamt. Doch noch eine gute Nacht geworden. Ich freue mich!

Vom Donnerstag gelernt

1. Vor dem Haus, in dem mein Lieblingsfriseur Marco Haare schneidet, steht ein afrikanischer Götterbaum. Der hat Dornen, damit die Affen nicht an seine Schoten kommen. Da ist der Baum heilfroh drüber hier in Siegen.

2. Ich bin wirklich nicht in der Lage, anständige Handyfotos von Bäumen zu schießen.

3. So lange, wie in Regalen von Buchhandlungen und Bibliotheken die Bücher unter der Rubrik “Frauen” stehen, die dort nun einmal einsortiert sind, sollte die Frauenbewegung nicht glauben, am Ziel angekommen zu sein.

4. Eine Vorsteuererklärung macht sich nie von allein. Niemals!

Vom Mittwoch gelernt

Ich gebe meinen Schlüssel nicht mehr freiwillig aus der Hand! Dank “Naturheilkunde & Gesundheit – Die sanfte Medizin aus Ihrer Apotheke”, Ausgabe 7/2010, weiß ich jetzt nämlich, wozu andere Menschen “vielfach … Schlüssel und andere harte und teils scharfkantige Werkzeuge” benutzen.

(Mein Fluch und mein Segen zugleich ist, dass ich mir alles zwanghaft bildlich vorstellen muss. Immer. Uh. Das Bild von der Sekretärin, aus derem linken Ohr der Generalschlüssel und aus derem rechten die Büroklammer ragt, geht mir nicht mehr aus dem Sinn.)

Vom Dienstag gelernt

1. In SMS- und Handyvideozeiten ist Urlaubsschneckenpost derart selten geworden, dass eine olle Ostseestrandbadkarte im Briefkasten in ungewohntem Maße sowohl überrascht als auch erfreut.

2. Ich kann ausatmen und danach noch 20 Sekunden lang die Luft anhalten, bin somit voll tauchfähig.

3. Wer in der Bigge taucht, kann dort Barsche gucken.

4. Spülmaschinen räumen sich nie von allein ein. Niemals!

Vom Montag gelernt

1. Selbst eingefleischte Frühstücksabstinenzler haben niemals mehr Heißhunger auf eine Morgenmahlzeit als an solchen Tagen, an denen sie mit nüchternem Magen zu einer Blutuntersuchung erscheinen müssen.

2. Wer notorischer Handyverleger ist, der sein Telefon bis zu fünfmal am Tag selber anrufen muss, um es dank des Klingelns wiederzufinden, sollte den Klingelton nicht ausschalten und das Wiedereinschalten hinterher vergessen. Hungrig gewesen zu sein ist keine Entschuldigung.

3. Spülmaschinen räumen sich nie von selber aus. Niemals!

Muss das so?

Ich mag ja dieses Provinzstadt-Bashing nicht, also verallgemeinerndes Gegiggel über strukturschwache Gegenden und die dortigen Marotten. Mache ich deshalb nie bis selten. Ich zähle nur auf, was mir in letzter Zeit auffiel. Und zwar in meiner eigenen strukturschwachen Wahlheimat.

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Eine ansässige Ausstellung mit dem vielversprechenden Namen Muss das so? (weiterlesen »)

Was für’n Ding?

Bitte in angemessener, leidlich normaler Geschwindigkeit goutieren:

PRÜFFELDINGENIEUR.

Jeder, der hier nicht “Prüffel-Ding-Enieur” gelesen hat, ist vermutlich selber einer. “Prüffel-Ding” ist ein schönes Wort. Und wer Enieur dafür wird, hat gewiss den ganzen Tag Spaß. Wenn ich mal groß bin, werde ich auch einer.

Zwischenergebnis

Zwei Tage Twitterlosigkeit. Faszinierend zu beobachten, wie oft ich Gedanken – ohne es bewusst zu tun – auf ein Maximum von 140 Zeichen schrumpfe. Und faszinierend auch, wie oft meine Hand wie fremdgesteuert zum Browser surfen will, um den Twitter-Tab zu öffnen und die Gedankenrosine dort zu hinterlegen. Und gleichfalls faszinierend, wie enttäuscht ich bin, wenn mir kein Platz mehr einfällt, wo ich meine Denkbruchstücke nun ablegen kann.

Andere sind neuerdings über frische Gossip-Meldungen schneller informiert als ich. Das irritiert mich.

Fördert Twitterlosigkeit die Konzentration? Hab ich noch nicht bemerkt. Aber um Langzeitauswirkungen zu beobachten,  ist es ja auch noch zu früh. Glaube ich.

Heute ist übrigens ein Tag der Marke “Ach herrje”. (Tschuldigung, solche Bemerkungen gehören hier eigentlich nicht hin, wusste aber grad nicht, wo sonst abladen.)