Im Kolleginnen-Blog Auslassungspunkte bin ich heute auf einen Artikel bei Spiegel online gestoßen, der mich in kollegialer Solidarität mit den Zähnen hat knirschen lassen:

Ein Korrektor hatte die Bemerkung “so eine Arschkriecherei” in das Manuskript geschrieben – genervt von der Lobhudelei eines Nachwuchsreporters über Parteifunktionäre, der getextet hatte: “So hohe Führer zu sehen, begeisterte alle”.

Der Setzer konnte mit der “Arschkriecherei”-Notiz nichts anfangen – und baute den Satz um. Daraus wurde die Formulierung, die dann gedruckt wurde: “So eine Arschkriecherei begeistert mich wirklich”.

Ich wünsche dem Kollegen von Herzen, dass er die Geldstrafe als Preis für erkaufte Genugtuung empfindet. Und vielleicht sogar spitzbübisch über das Resultat seiner Bemerkung lächeln kann. Wenigstens irgendwann.

Nachtrag: Diese Erinnerung passt nicht ganz zum chinesischen Fauxpas, kommt mir in freier Assoziation aber dennoch in den Sinn: Eine Kollegin erhielt ein Fax ihres Kunden. Sie nahm es, korrigierte es durch und faxte es zurück – so wie sie es mit allen seinen Aufträgen tat. Allein: Es handelte sich um eine Einladung. Sie war die Eingeladene. Der Kunde war verdutzt, die Kollegin verlegen.

Das Leben einer Korrektorin ist eben kein Ponyhof. Fallstricke lauern überall!

Foto: Rainer Sturm, Quelle: pixelio.de

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