Zwei wahre Textarbeiter-Storys:

Aus dem Nähkästchen einer Übersetzerin

Ein Privatkunde möchte einen großen Schwung Informationsunterlagen aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt haben – gut 500 Druckseiten, alle eng beschrieben. Die Kollegin sagt ihm ehrlich, dass die Arbeit bei diesem Umfang mehrere Wochen dauern und Kosten im oberen vierstelligen Bereich verursachen wird – ob er das wirklich investieren wolle?

Der verdutzte Kunde fragt: “Wieso, haben Sie denn keinen Computer?”

Die verdutzte Kollegin erwidert: “Äääh – wie?”

Es stellt sich heraus, dass der Kunde felsenfest überzeugt gewesen war, dass eine Übersetzerin einen fremdsprachigen Text oben in ihren Super-Computer schiebt und die Übersetzung dann automatisch unten rauskommt. Liegt ja irgendwie nahe, oder?

Aus dem Nähkästchen einer Korrektorin

Diese Anekdote liebe ich heiß und innig, weil sie mir 1:1 ebenso hätte passieren können: Eine Kollegin – Lektorin und Korrektorin wie ich – erhält ein Fax ihres Stammkunden. Sie verfährt damit wie üblich, korrigiert es durch und faxt es zurück. Eine Minute später klingelt ihr Telefon, dran ist ein ziemlich verunsicherter Kunde. Tja, er habe die korrigierte Einladung zur Weihnachtsfeier ja nun erhalten – ob sie denn trotzdem kommen wolle, obwohl er versehentlich so viele Fehler eingebaut habe …?

So kann es uns passieren, uns Korrektorinnen: Im Eifer des Gefechts geht uns Form manchmal vor Inhalt. Die arme Kollegin hatte schlicht nicht kapiert, dass sie keinen Auftrag erhalten hatte, sondern herzlich eingeladen worden war. Und das erinnert mich sehr an mich selbst, wenn ich in Eile die Anhänge eingehender E-Mails nicht öffne, sondern direkt zurückfrage “Bis wann brauchen Sie die Korrekturen denn?” – und Kunden dann erwidern “Keep cool, ich habe Ihnen nur Fotos meines letztes Urlaubs geschickt.”

Das Leben einer Korrektorin ist eben kein Ponyhof!
Und nun: W.I.T.