Mit welcher Wucht er kam: ein absolut bemerkenswerter Moment. Unerwartet und unüblich. An einem Ort, wo man ihn im Leben nicht erhoffen würde -  inmitten verdrossener Patientinnen, genervter Hausfrauen und Karrieredamen, die mit den Füßen wippend ungeduldig ausharren. So sieht es nämlich aus im Wartezimmer eines Gynäkologen.

Es gibt Schöneres als Routineuntersuchungen beim Frauenarzt. Gerade den männlichen Lesern, denen das vielleicht nicht so klar gewesen sein mag, versichere ich das – ausdrücklich. Ist nicht viel toller als der Halbjahres-Check beim Zahnarzt.  Ein bisschen angenehmer, als wenn selbiger tadelt: “Da ist ja wieder mal Karies. Da müssen wir aber ran.” Leider nicht sehr viel angenehmer. Und schon die Erwartung dieser Untersuchung ruft Übellaunigkeit bei mir hervor.

Bereits im Wartezimmer einer Frauenarztpraxis: nicht mehr als Langeweile, gereiztes Schweigen und müdes Gähnen. Die Lesezirkel-Magazine sind meist vom Vormonat. Und berichten auch nur über Boris Becker.

Und dann, peng. Die Tür des Sprechzimmers fliegt auf, eine Frau stürmt hinaus, presst sich die Hand auf  den Mund und rennt an den Wartenden vorbei zum Ausgang. Kaum ist sie draußen, kann sie offenbar nicht mehr an sich halten. Sie lacht, kichert, juchzt, schreit sogar -  haltlose, hemmungslose, übersprudelnde Freude.

Klarer Fall von Überglück.

Die Blicke der Anwesenden: befremdet. Etwas peinlich berührt vielleicht.

Eine knappe, nüchterne Aufklärung vom Tresen im Eingangsbereichs: “Sie hat gerade eine gute Nachricht bekommen. Eine richtig gute.”

Draußen entfernen sich Lachen und Schreien – sind aber noch für eine ganze Minute selbst aus der Entfernung deutlich zu hören. Glück ist eben laut!

Und dann passiert’s: Die Gesichter der Umsitzenden verwandeln sich. Hier wird gekichert, dort laut aufgelacht, in zwei Ecken eher schüchtern gestrahlt. Selbst die Lady im strengen Nadelstreifenanzug mit passend verkniffenem Mund zeigt ein schiefes Grinsen.

Dieses Wartezimmer ist nicht wiederzuerkennen. Ein Dutzend Frauen, die vor einer Minute noch jeglichen Augenkontakt vermieden haben, lachen sich jetzt gegenseitig ins Gesicht. Herzlich, aufrichtig, lebensfroh.

Das untenstehenden YouTube-Video (via Texttreff) zeigt hervorragend, wie das gewesen ist. Der Effekt derselbe, Ort und Handelnde ganz andere. Mitfreuen ist wohl universell.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=wQ5boOTyz_4]