Meine gestrigen Arbeitsalltagsanekdoten kamen wohl ganz gut an (wie mir die sprunghaft angestiegenen Zugriffszahlen verraten). Super – denn ich habe noch mehr auf Lager!
Diese Anekdote ist schon älter, aber deshalb nicht weniger schön. Ich habe sie am eigenen Leib erlebt und zwar in grauer Vorzeit, als ich noch fest-freie Mitarbeiterin einer Agentur für Buch- und Kultur-PR war.
Buchmessenzeit. Unsere Hochkampfzeit. Teil der Routinearbeit: die Aussendung einer Pressemitteilung, die alle Messetermine der von uns betreuten Autoren verlautbart.
Nicht lange, nachdem die Terminliste an den Journalisten-Verteiler rausgegangen ist, klingelt das Telefon. Am Apparat ist eine Sonja XY von der Redaktion einer Frauenzeitschrift.
Das folgende Gespräch habe ich damals, im September 2006, unter Lachtränen notiert, weil ich wusste: Eines Tages werde ich mich daran genau erinnern wollen. Hier sind meine Aufzeichnungen:
Anruferin (äußerst geschäftiger Ton, sehr schneller Redefluss): Ich brauche für die Auftaktveranstaltung der Buchmesse schnell mal ein Bild, das machen wir hier immer so, um das auch ankündigen zu können. Wir haben ja einen Veranstaltungskalender. Und jetzt brauche ich ein Bild. Ist der andere Autor eigentlich auch interessant, also der, der am zweiten Tag liest …?
Ich: Tut mir leid, ich kann Ihnen nicht folgen.
Anruferin: Aber Sie sind doch die Ansprechperson, dachte ich!
Ich: Ansprechperson, hm, naja, für was genau?
Anruferin: Na, für unseren Veranstaltungskalender! (Nutzt meine verwirrte Denkpause, um in verschwörerischem Ton anzufügen:) Den gibt’s auch online!
Ich: Verstehe ich richtig, dass Sie eine der Messeveranstaltungen unserer Autoren ankündigen möchten?
Anruferin: Ja! Die Auftaktveranstaltung!
Ich: Die Auftaktveranstaltung der Buchmesse? Tut mir leid, mit der haben wir nichts zu tun.
Anruferin: Doch! Hier steht: “Pressekontakt: Julia Dombrowski.”
An dieser Stelle muss ich ein bisschen Hintergrundwissen einstreuen: Die Terminübersicht, die ich rausgeschickt hatte, enthielt fünf Veranstaltungen.
Langsam stellte sich heraus: Meine Gesprächspartnerin hatte versucht, eins und eins zusammenzuzählen: Die Messe fand 2006 am 4., 5., 6., 7. und 8. Oktober statt, also an fünf Tagen. Fünf Veranstaltungen in fünf Tagen – ach so! Passt! Dann veranstaltet die kleine Frankfurter PR-Agentur also die Frankfurter Buchmesse!
Aber es wurde noch viel, viel schöner:
Ich: Was genau ist denn Ihre Mission? (Ich schwöre, ich habe es an dieser Stelle noch geschafft, das Lachen zu unterdrücken!)
Anruferin (seufzt schwer und unglücklich): Ich muss Bilder sammeln für die Veranstaltungen der Buchmesse.
Ich (wirklich lieb und geduldig): Unsere fünf Veranstaltungen sind aber nicht die einzigen, die während der Buchmesse stattfinden. Soweit ich weiß, gibt es etwa 5000, und das sind nur die auf dem Messegelände.
Anruferin: Oh, ich verstehe! Dann sind Sie garantiert nicht die einzige Ansprechpartnerin! Kennen Sie vielleicht die Namen der anderen?
(Das Gespräch endete übrigens etwa so: “Seien Sie mir nicht böse, wenn ich Sie das jetzt frage: Sind Sie Praktikantin?” Die Antwort habe ich damals nicht notiert – sie wurde, soweit mich meine Erinnerung hier nicht trübt, nur gebrummt.)

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