Ich hab’s echt schon oft probiert: Am radikalsten war der Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören, als ich mich nach Vorbild des Pawlow’schen Hunds selbst konditionieren wollte. Nein, ich wollte nicht sabbern, wenn ein Glöckchen bimmelt. Aber immer, wenn ich ans Rauchen denken musste, habe ich mir ein Gummiband, das ich Tag und Nacht am Handgelenk trug, gegen die Haut geschnippt. Anfangs zögerlich, später immer brutaler. Ich hatte gehofft, dass mein Zentrales Nervensystem aus lauter Selbstschutz jeden Gedanken an Zigaretten ins Nirvana verdammt.

Was bei einem Hund klappt, könnte doch auch mir helfen ...? (Foto: pauline, pixelio.de)
Das Gummiband hat wirklich weh getan und ein paar Spuren hinterlassen, die mehrere Wochen sichtbar blieben. Ich habe damals trotzdem wieder angefangen zu rauchen – und nie aufgehört, dran zu denken. (Genau genommen war das Experiment sogar kontraproduktiv: Ich musste damals nur Kunststoff sehen, um sofort “Gummi” zu assoziieren – und dachte direkt ans Rauchen. In der schlimmsten Phase brauchte ich nur eine Büroklammer anzugucken, das hat schon gereicht.)
Ich probiere es wieder – ich will nicht mehr rauchen! Und dieses Mal nutze ich eine Web-2.0-Plattform als Hilfsmittel, über die ich manchmal (liebevoll!) spotte (obwohl ich sie selbst ausgiebig nutze): Twitter.

Hoffentlich stehe ich bald nicht mehr auf Kippen. (Bild: Susanne C. Schneider, pixelio.de)
Meine Follower habe ich informiert, dass ich anfange mit dem Aufhören – und Angst habe, mit dem Angefangenen bald ebenfalls wieder aufzuhören. Wenn ich mich ganz schrecklich nach einer Zigarette verzehre – dann verrate ich das dort. Naja, ich jammere erbärmlich. Und erhalte Ermutigungen wie
Du SCHAFFST das! Bist du stark? Bist du gut? Kannst du alles? Ja, ja, ja! Na also.nicht rauchen ist super!
Halt durch, du wirst dich so freuen!!! Das schaffst du! Das WILLST du!!
Halt durch, ich habe es schon 9393 mal probiert, ist ganz einfach, wirklich. :-)) #ich drück dir die Daumen
Es gibt auch die ein oder andere “Drohung”:
WERD BLOSS NICHT RÜCKFÄLLIG, hörst Du? *strengerBlick* #Rauchen_aufgeben
Ich habe den Eindruck, eine so sofortige und nachhaltige Unterstützung hatte ich noch nie. Sie fühlt sich wirkungsvoller an als das Gummiband – und tut gar nicht mal weh.
Bin sehr gespannt, ob Twitter mir beim Rauchstopp hilft. (Naja, Twitter selbst nicht, aber die Menschen, die sich dort tummeln.)
Jeder, der mich unterstützen mag, ist mir willkommen: Ich kann ein bisschen Ermutigung gut gebrauchen. Bei Twitter findet man mich hier. Helft ihr mir?
So öffentlich habe ich es übrigens noch nie gemacht, wenn ich das Rauchen in der Vergangenheit aufgeben wollte. Ich hoffe, das setzt mich gehörig unter Druck! Jawoll!

Posts
Klappt bestimmt. Wir werden dich sonst alle straffen :-))))))))
5. Mai 2009 @ 15:20
@Elke: Bitte nicht bauchstrafen! Um Gottes Willen!
5. Mai 2009 @ 15:27
Wow. Julia. Du hast mit einem knappen Beitrag geschafft, was viele wortreiche Bekehrungsversuche nicht schaffen konnten:
Du hast mir Twitter symphatisch gemacht. Für sowas, was unmittelbares Feedback erfordert, ist das doch wirklich wie geschaffen.
Ich meine das jetzt nicht doof: War da jemand ein Vorbild oder ist das komplett auf deinem Mist gewachsen? — Ich finde es natürlich so oder so toll, dass du Twitter für diese Phase nutzt.
Mensch, das ist doch für alle Raucher super. Die wollen sich doch alle irgendwie immer mal das Rauchen abgewöhnen. Du wirst die Königin der Rauchenabgewöhner damit!!!!
8. Mai 2009 @ 20:17
@Berlinessa: Ich danke mit Knicks für deine anerkennenden Worte! Die Idee lag aber auch irgendwie nahe – wenn man der Welt eh gerade mitteilt, dass man sich gleich einen neuen Tee aufzubrühen gedenkt, dann ist es bis zum ersten “Mist, Rauchen abgewöhnen sucks!”-Tweet nicht weit. Dann kommen die ersten Ermutigungen – und der Abstinenzler merkt: Das hilft ja total!
Es waren in den vergangenen Jahren immer die unbeobachteten, ungeselligen Augenblicke ohne Kontrolle durch fremde Augen, in denen ich rückfällig geworden bin. Und da Twitter sowas wie ein freiwilliges Big Brother sein kann (bei dem man aber ganz allein entscheiden darf, wie weit die Selbstentblößung reicht!), braucht es einfach keine unbeobachteten Augenblicke mehr zu geben. So simpel ist das. Und ich habe immerhin Tag 8 erreicht – spielend wie eigentlich noch nie zuvor!
“Königin der Rauchabgewöhner”, ja bitte, das gefällt mir!
Lesen wir uns demnächst auf Twitter?
9. Mai 2009 @ 05:56