Twitter wächst mir allmählich wirklich ans Herz. Wie ganz viele andere hat es mich zunächst ja auch abgeschreckt: Warum soll ich der Welt mitteilen, was ich gleich zu Mittag esse? Warum sollte es mich interessieren, ob jemand anderes gleich einen Milchkaffee trinkt? Tweets wie “Gehe jetzt mit dem Hund raus” sind häufig, und, hm, na ja, fast immer so überflüssig wie eine Sendung mit Oliver Pocher und etwa vergleichbar unterhaltsam. Twitter sei ein Mittel zu reiner Selbstdarstellung oder zur Befriedigung des eigenen Voyeurismus, das sind die häufigsten Vorwürfe gegen den Boom des Gezwitschers.
Aber mit Twitter ist es wie mit jedem Kommunikationsmittel oder auch jedem Handwerkszeug: Der Nutzen liegt in dem, was man draus macht. Verwende mal einen Hammer zur Haarpflege – klappt nicht. Nutz Twitter als Ersatz für gehobene Lektüre; lies darin statt in deiner Morgenzeitung – du wirst es bald wieder lassen!
Kommunikation wirkt eben auf verschiedenen Ebenen – und Medien auch. Ich habe ja neulich geschildet, wie ich mithilfe anderer Twitterer das Rauchen aufgebe. Ich muss sagen: Die täglichen Ermutigungen geben mir (noch?) eine Standfestigket, die ich von früheren kläglichen Versuchen absolut nicht kenne.
Gestern habe ich einen neuen Nutzen von Twitter entdeckt: Stressabbau! Mit diesem Tweet fing es an:
Muss heute unglaublich viel schaffen. Darf nicht #rauchen. Und niemanden ungerechtfertigt anpampen, um Luft abzulassen. #WieGehtDas??
Jemand, der gestern den neuen Status Lieblingsfollower der Woche von mir erhielt, bot mir generös an:
@claire_grube Pamp doch uns an. Wir können das ab.:-)
Ich durfte ihn beschimpfen! Und das habe ich immer dann, wenn mein Abgabestress mir über den Kopf zu wachsen drohte, auch hemmungslos gemacht:
Geh mir aus den Augen oder mach dich endlich nützlich!
Kannst du mal bitte die Klappe halten? Ich hab auch so schon Stress genug! Verdammt noch mal! Echt jetzt!
Hey, ich bin kein schlechtes Mädel – ich habe zwischendurch immer mal brav gefragt, ob die Dosis noch okay sei, habe auch (hoffentlich glaubhaft) versichert, dass ich diesem freundlichen Sündenbock nun was schulde. Was soll ich sagen? Ich habe auf Nikotinentzug halbwegs entspannt meinen knappen Abgabetermin eingehalten – ein Hoch auf Twitter. Oder nein, richtiger muss es heißen:
Ein Hoch auf die Twitterer!
(Etwas besorgt frage ich mich ja jetzt, ob ich am Untergang des Abendlandes schuld sein könnte, weil ich dem Verschwinden der Höflichkeit Vorschub geleistet und Unflätigkeit in Umlauf gebracht habe. Vielleicht sollte ich hinzufügen: Liebe Kinder – bitte nicht nachmachen! Vor allem nicht ohne vorherige Einwilligung des Beschimpften!)
Nachtrag: Gerade habe ich gesehen, dass auch meine Kollegin be|es|ha einen ganz eigenen Vorteil von Twitter für sich entdeckt hat. Was lernen wir daraus? Genau!

Posts
Mon Dieu, chère Julia!!!
Ich glaube, es wird tatsächlich höchste Zeit, dass ich dir mit etwas operaplot-Gezwitschere wieder den Weg zurück in die Hochkultur weise … ;-))) Du bringst mich noch dazu, mich tatsächlich anzumelden.
16. Mai 2009 @ 13:02
Klar ..
.. Ohne Twitter würde es mogis’ Erfolg nicht geben ..
.. ist für mich schon ganz schön die “social media” kennenzulernen
viele liebe Grüße
Christian
20. Mai 2009 @ 03:45