Mitte September war ich in London. Und ich habe natürlich englisches Zeux mitgebracht, zum Beispiel …
… einen hölzernen Beefeater mit intergrierter Kugelschreibermine. Jaja. Aber ich hatte auch Mitbringsel ohne Trash-Charakter im Rückreisegepäck:

Nick Hornbys ziemlich frisch erschienenes “Juliet, Naked”, das bislang noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Ich kaufe mir nämlich bei jeder Reise ins anglophone Ausland ein englischsprachiges Buch. Deshalb stehen inzwischen “Romeo & Juliet”, “To Kill a Mockingbird” und irgendein seit Langem ignorierter John Irving – ungelesen – in den verstaubtesten Ecken meiner Bücherregale; fünf Bände von “Anne of Green Gables” hat dasselbe Schicksal ereilt. Denn sobald mein Auslandsaufenthalt vorbei ist, verlässt mich jedesmal die Motivation – quasi auf der Landesgrenze -, meine Englischkompetenzen aufzubessern. Das jeweilige Buch fristet dann ein trauriges unbeachtetes Dasein. Und ich muss es unbedingt außer Sichtweite befördern, um nicht ständig an unerfüllte gute Vorsätze erinnert zu werden.
Dieses Mal also Nick Hornby, den ich sehr, sehr mag; denn ich hatte die Hoffnung, dass Nick sich schlicht und einfach nicht nichtbeachten lässt: weil er viel zu lustig, sympathisch, klug und originell schreibt, um ungelesen in der Bücherecke zu verstauben.
Stolz darf ich vermelden: Der Plan ging auf! Denn dieses Buch
- enthält die für mich lustigste vorstellbare Beschreibung eines Aufeinandertreffens zwischen einem Fan mit Stalkerpotenzial und dem Objekt seiner enthusiastischen Bewunderung.
- beschreibt die zweitschönste E-Mail-Beziehung nach Daniel Glattauer in “Gut gegen Nordwind”.
- illustriert aufs Beste eine sinnlose Therapeuten-Patienten-Beziehung, die von der Patientin nur deshalb fortgeführt wird, damit ihr Psychologe nicht in Depressionen verfällt.
- geht wie immer wahnsinnig liebevoll mit seinen Romanfiguren um. Nick Hornby nimmt seine Protagonisten zwar regelmäig aufs Korn, aber immer mit dem sanften Spott der Selbstironie.
Ach, liebe deutsche Hornby-Fans, ihr tut mir etwas leid, dass ihr noch eine ganze Weile auf die Übersetzung warten müsst. Wenigstens habe ich den Trost für euch, dass das Warten sich lohnen wird! (Ich werde die deutsche Version vorsichtshalber auch noch mal lesen, nur um ganz sicher zu sein, dass ich die besten Passagen auch wirklich alle kapiert hab …)
Das Buch schicke ich heute auf die Reise zu einer rekonvaleszenten Kollegin. Ich glaube (hoffe), es wird sie aufheitern. Der Beefeater-Kugelschreiber aber hält weiter Wache auf dem Kaminsims. Das ist halt was “Bleibendes”.
Beschämter Nachtrag vom 28.10.09: Ui, mea culpa, “Juliet, Naked” ist doch schon auf Deutsch bei Kiepenheuer und Witsch erschienen. Och menno, dann habe ich ja gar keinen Leservorspung durch meine heldenhafte Lektüre in Originalsprache …

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