An einem einzigen Tag erheben weltweit Blogger verschiedener Nationen ihre Stimme, um grenzüberschreitend für ein gemeinsames Ziel zu kämpfen: So in etwa lässt sich die Idee des Blog Action Day (BAD) zusammenfassen, der gestern stattgefunden hat; 13.166 Blogs haben am 15. Oktober 2009 einen Beitrag zum Thema Klimawandel veröffentlicht.
Aber heute soll ja nicht alles gleich wieder vorbei sein! Im Gegenteil, der BAD 09 sollte dazu dienen, Aufmerksam zu wecken und Diskussionen anzuregen – mit anderen Worten: der Beginn von etwas Großem sein.
Das Wichtigste vorweg: Was bleibt zu tun? Wie geht es nun weiter? Ein paar Ideen haben die Initiatoren des BAD gesammelt. Eine der schönsten Möglichkeiten, sich weiterhin zu engagieren (Nr. 7 der verlinkten Vorschlagsliste): die beeindruckendsten eigenen Naturfotos auf der Seite Earthhour hochladen, um zu zeigen, wie die Welt, die wir uns wünschen, aussehen sollte.
Befreundete Blogger/-innen hatten gestern diese Dinge zu sagen:
Elke nennt schockierende Zahlen und Fakten - aber weiß auch:
“Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.”
Birgit kann etwas Ermutigendes berichten:
Das Magazin „The New Yorker“ berichtet im Artikel „Exit Through Lobby“ vom „positiven Exodus“ US-amerikanischer Firmen aus der amerikanischen Handelskammer, weil diese ihre geballte Lobbymacht dazu nutzt, neue Klimaschutzgesetze zu verhindern, die vermeintlich die freie Wirtschaft behindern würden.
Und warum? Weil “die globale Erwärmung nicht nur schlecht für unseren Planeten, sondern auch schlecht für’s Geschäft ist.” Endlich kapieren sie’s!
Biggi verlinkt ein Video mit ergreifenden Naturaufnahmen (und einem Soundtrack, der Gändehaut macht), in dem gefordert wird: Erhebt Eure Stimme gegen die, die das Leben, das sich seit 540 Millionen Jahren entwickelt, in nur 100 Jahren zerstören!
Andrea resümiert, wie sie selbst den Klimawandel zu spüren bekommt – durch sich verändernde Jahreszeiten zum einen, aber zum anderen auch durch Billig-Discounter, die langsam ahnen, dass nachhaltige Angebote sich auch für sie rentieren könnten.
Nina gibt Tipps, wie jeder (!) einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann, indem er ein paar einfache Ideen im (heimischen) Büro umsetzt.
Silke zieht augenzwinkernd Ökobilanz ihres Buchmessebesuchs – und weiß nun: Klimakiller lauern überall. Macht euch das ruhig mal bewusst!
Und ein twitternder Siegener Archivar fragt: Haben auch Archive was mit Klimaschutz zu tun?
Mehr als 13.000 weitere Blogs haben sich gestern zum Klimaschutz geäußert. Gut so! Andererseits: 13.166 Blogs – weltweit? So wenige? Allein die Zahl der aktiven Blogs in Deutschland dürfte etwa 20 Mal so hoch sein (manche sprechen von ca. 260.000, andere sogar von 500.000) – und Deutschland ist nun wirklich nicht gerade eine Bloggernation, anders als die USA, wo Blogs einen ziemlich bedeutenden gesellschaftlichen Stellenwert haben.

Ja, ich muss es sagen: Ich bin auch enttäuscht vom gestrigen Blog Active Day. Wo waren denn die deutschen Internet-Gallionsfiguren, diejenigen, deren Blogs mehrere Zehn- bis Hunderttausend Besucher im Monat haben? Medienjournalist Stefan Niggemeier zum Beispiel (mehr als 250.000 Leser im Monat) oder Sascha Lobo? Weder dessen Blog saschalobo.com noch das von ihm neben Kathrin Passig, Holm Friebe und anderen Online-Vorreitern bestückte Gemeinschaftsblog Riesenmaschine haben sich gestern um das Thema geschert. Klar, Klimaschutz ist nicht ihr Hauptanliegen (meines übrigens normalerweise auch nicht). Aber Hintergedanke des gestrigen Tages war ja gerade, dass sich alle um dieses Thema kümmern, weil es eben jedermanns Thema ist!
Elke hat die afrikanische Weisheit mit den vielen kleinen Leuten zitiert, die viel erreichen können – gehen wir also mal davon aus, dass wir gestern einen winzigen, aber wichtigen Beitrag leisten konnten. Bloß: Schön wäre es doch auch, wenn ein paar große Leute mitgemacht hätten – die hätten mit ihrer Reichweite sicher nicht geschadet!
(Um meinem Pessimismus Einhalt zu gebieten, muss ich ehrlicherweise zugeben: Das Weiße Haus war dabei und ebenfalls Großbritanniens Premierminister Gordon Brown. Doch, die darf man wohl als “große Leute” bezeichnen.)
Ich bleibe aber bei der Frage: Ist Klimaschutz denn unsexy? Frage zwei: Ist es nicht völlig egal, wie sexy das Thema ist, wenn wir kurz davor stehen, alle draufzugehen?
Hoffen wir, dass gestern eine Welle ausgelöst wurde, die Großes anstößt. Damit wir auch nach dem Jahr 2035 noch eine Welt haben, die sich zu bewohnen lohnt!
Foto: Ralph Stahl, pixelio.de

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Die Zahl ist nicht so beeindruckend, wenn man überlegt, wie viele Blogs es weltweit wahrscheinlich gibt, ja. Ich denke, die Initiatoren haben sich auch andere Dimensionen vorgestellt, es sollte ja das größte “social event” werden, das es im Internet je gab, und das war es vermutlich nicht. Vielleicht haben sie sich zu sehr auf Amerika konzentriert – die Website des Blog Action Day war nicht in allzu vielen Sprachen verfügbar, Deutsch z. B. nicht. Ich weiß auch nicht, wie sie die Aktion bekanntgemacht haben, ich bin jedenfalls nur durch Dein Post im Texttreff darauf aufmerksam geworden. Manche mögen denken, dass das sowieso nichts bringt, manchen fällt nicht ein, was sie dazu bloggen sollen… Na, mal sehen, wie es weitergeht.
16. Oktober 2009 @ 16:07