Ist es nicht aufopferungsvoll? Gestern bestätigte die CDU noch einmal ein Vorhaben, das sie schon im vergangenen Winter angeregt hat: die Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz. (Grünen-Politiker Cem Özdemir im Dezember 2008 dazu: “Muss ich als Schwabe jetzt Hochdeutsch sprechen?”) Nun kommt es also wirklich, das “Bekenntnis zur deutschen Sprache”?
Offensichtlich soll die Erweiterung des Grundgesetzes weder Ver- noch Gebote nach sich ziehen (also weder “Den deutschen Außenminister zu bitten, ihm eine Frage auf Englisch stellen zu dürfen, wird mit Besinnungsaufsätzen nicht unter 10 Seiten bestraft” noch “Impertinenten Aufforderungen in Fremdsprachen ist mit der Abwehrfloskel Es ist Deutschland hier! zu begegnen”). Keine andere Sprache soll, so heißt es, diskriminiert werden, aber Deutsch eben als noch bedeutend deutscher als Englisch oder Türkisch gelten. (Eigenartigerweise klingt das bedrückend redundant.)
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Ede Stoiber spricht Deutsch
Es geht wohl darum, die deutsche Sprache als nationales Kulturgut zu schützen. Und da geht die deutsche Politikerschaft ja dankenswerterweise schon lange mit lobendem Beispiel voran: Eine Studie der Uni Hohenheim ergab, dass die Wahlprogramme 2009 sich etwa so verständlich lasen wie politikwissenschaftliche Doktorarbeiten. Immerhin sind sie größtenteils deutsch (wenn natürlich auch keine der etablierten Parteien auf Fachsprech oder Fremdwörter verzichten mag; am Ende hätte ein Wähler sie noch verstehen können). Die Studie förderte Sprachschätzchen wie das Sinnieren über “prozyklisch wirkende Regeln” (Union) oder “Der konsequente Weg zur Aufdeckung von Ineffizienzen bei der Erhebung von Netzentgelten wird weiterverfolgt und eine weitergehende Entflechtung der Energienetze angestrebt“ (FDP) zutage – aber auch anatomisch interessante Metaphern wie die “Abflachung des Mittelstandsbauchs” (Union).
Maybrit Illner hat gar den Bedarf für ein Wörterbuch gesehen und 2007 Politiker-Deutsch/Deutsch-Politiker veröffentlicht. Denn auch wenn Politikersätze mit dem Prädikat “deutsch” etikettiert sind, bleiben viele dennoch Worthülsen – und längst nicht hinter allen versteckt sich doch noch ein Quentchen Sinn.
Brigitte Grunert formuliert es im Tagesspiegel heute so:
Im Berliner Bezirksverwaltungsgesetz soll es künftig eine „Service-Einheit Facility Management“ geben. [...]
So viel zum Stichwort bürgernahe Verwaltung. Zum Totlachen, dass sich die gleichen Politiker nun dafür stark machen, Deutsch im Grundgesetz zu verankern.
Politiker, ihr seid mir suspekt.

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Wenn diese grausamen Anglizismen verschwinden würden, wäre es fast zu begrüßen ;-) . Aber dann bitte in Anlehnung an Neuseeland: Die Amtssprache ist Englisch, Māori und die Neuseeländische Gebärdensprache.
9. Oktober 2009 @ 08:34
Den Hinweis auf die Gebärdensprache finde ich äußerst begrüßenswert.
Ansonsten ist eine (grund)gesetzliche Festlegung einer Sprache nicht zielführend. Jede Sprache entwickelt sich weiter und dies geschieht eben auch durch die Übernahme aus anderen Sprachen. Dies ist normal!
Die angeprangerte Verwendung englischer Begriffe in der deutsche Sprache scheint mir solange ein “Nebenkriegsschauplatz” zu sein, solange der Mittelstandsbauch noch nicht abgeflacht ist. Will heißen, erst verständliches Deutsch fordern und dann vielleicht Anglizismen wie Handy abschaffen.
9. Oktober 2009 @ 09:02
Qui bono – wer hat den Nutzen?
Oder andersrum: Wem schadet es, dass die deutsche Sprache bislang nicht im Grundgesetz verankert ist?
Solange es auf diese Fragen keine schlüssige Antwort gibt, geht es wohl wieder mal um nichts anderes als Populismus.
Nationalistischer Populismus nervt bloß – immer!
9. Oktober 2009 @ 09:18