Seitdem Tina mir letzte Woche ein Stöckchen zugeworfen hat, hadere ich mit der Frage, wie ehrlich man in so einem Fall sein muss. Den Inhalt der eigenen Handtasche herzeigen lautet die Aufforderung, allerdings habe ich den Verdacht, dass sowohl Tina als auch Susi, bei der das Stöckchen vorher war, ziemlich geschummelt haben (was ich in meinen jeweiligen Kommentaren dort ja auch deutlich zum Ausdruck gebracht habe). Denn so wenig Müll wie bei den beiden Damen gibt es bei mir NIE. Aber weil ich ja nicht sicher weiß, wer hier mitliest – Kunden vielleicht, die den Glauben an meinen Perfektionismus nicht verlieren möchten; ehemals Erziehungsberechtigte, die sonst die Hoffnung aufgeben, dass aus mir doch noch mal ein grundordentlicher Mensch wird -, werde ich die schlimmsten Funde aus den tieferen Abgründen meiner Handtasche einfach verschweigen.

Ein bisschen was lasse ich wohlweißlich weg, aber was auf diesem Bild zu sehen ist, befand sich am 17. November 2009, 11.45 Uhr, tatsächlich in meiner Tasche:

Links außen im Bild: ziemlich viele Visitenkarten. Ich trage immer lieber ein paar zu viele bei mir als zu wenige – das liegt aber nicht daran, dass ich ein Genie im Selbstmarketing wäre, sondern daran, dass ich schon mehrmals meine Büroadresse gewechselt habe, ehe ich auch nur die Hälfte einer Auflage verteilt hatte. Deshalb bin ich inzwischen überaus großzügig mit den Dingern und stelle sie unterwegs gerne auch als Schmier- oder Notizzettel zur Verfügung, bevor ich wieder den Großteil wegwerfen müsste. (Es ist zwar kein neuer Umzug geplant, aber man weiß ja nie!)

Direkt daneben: der Besucherausweis, den ich vor zweieinhalb Wochen in der Neuen Börse in Frankfurt erhalten habe (die genau genommen schon wieder eine alte Börse ist, weil die neueste Neue Börse sich jetzt ja in Eschborn befindet). Ich war dort übrigens mit meinen Kolleginnen aus dem Texttreff, und im weiteren Verlauf wird sich zeigen, dass der gesamte Inhalt meiner Tasche immer noch sehr stark von jenem Texttreff-Wochenende geprägt ist – auch 17 Tage danach. (Jajaja, ich räume halt zu selten meine Taschen auf, ich weiß es ja selbst …)

Unten im Bild: ein Haufen Kosmetik. Zweimal Mascara, zweimal Lippgloss mit angeblichem Dauerhalt, Make-up, ein wasserfester Lidschatten, zwei Lidschatten ohne Wasserfestigkeit, aber in schöneren Farben, ein Lidschatten-Applikator, ein Kajalstift, ein flüssiger Eyeliner und ein furchtbar enttäuschendes Rouge mit Pinselchen. Links oberhalb des Haufens  eine Parfümprobe namens “Anna Yake”. Woher habe ich die eigentlich? Riecht jedenfalls okay.

Oberhalb des Besucherausweises: ein güldener Armreif von H&M. Ich mag ihn ganz gern, aber meine Handgelenke sind viel zu dünn dafür. Wenn ich ihn in mein Outfit integriere, dann immer nur für die erste halbe Stunde der entsprechenden Gelegenheit, danach wandert er zurück in die Handtasche. Mit teurem (Mode-)Schmuck gehe ich eigenartigerweise nie so gewissenhaft um, den verliere ich immer ziemlich schnell. Seltsam.

Ganz oben im Bild: insgesamt sieben Stifte. Vier davon hat Ikea mir gesponsert, einen der Kulis hat 3sat mir ganz offiziell geschenkt. Ich trage die Stifte seit dem Texttreff-Wochenende mit mir rum, da wurden sie gebraucht.

Im Zentrum des Bildes befindet sich mein, wie ich finde, wirklich hübsches Portemonnaie aus London, das ich Mitte September dort in Covent Garden gekauft habe. Ich mag’s sehr!

Links drunter, nicht gut zu erkennen: ein hübscher Schlüsselring aus dem Hause TeNo, eines Kunden von Biggi – und den habe ich wohl wo bekommen? Ja, auf dem mehrfach genannten Kolleginnen-Wochenende.

Rechts unterhalb des Portemonnaies: eine Zwei-Euro-Münze. Dazu gibt’s nix weiter zu sagen.

Direkt darunter: eine Haarspange, die mal meiner Freundin Manu gehört hat.

Wiederum direkt darunter: zwei Feuerzeuge. Auch hier keine Geschichte.

Rechts im Bild: ein Ausdruck mit Recherche-Tipps meiner Kollegin Marie-Christine; hat sie mir vor einer Woche in die Hand gedrückt. (Ja, es gab ein Leben nach dem letzten Oktober-Wochenende!)

Rechts, ganz unten: noch ein Netzwerktreffen-Überbleibsel. Das sind Kärtchen, die ich gebastelt hatte, um meine seriösen Kolleginnen – allesamt gestandene Texterinnen, Lektorinnen, Korrektorinnen, Journalistinnen und Übersetzerinnen – dazu anzustiften, Korrekturzeichen vorzuturnen. Ohne Zusammenhang versteht man das jetzt nicht, und es klingt auch wesentlich absurder, als es ist. Nun ja, es war vielleicht doch recht absurd …

Alle Korrekturzeichen wurden erfolgreich vorgetanzt und souverän erkannt – aber das wird jetzt fast schon zu intern.

Und ganz rechts seht ihr die Tasche, in der ich das alles mit mir herumtrage. Für die habe ich schon Spott geerntet, weil es eine dieser Tschibo-Taschen ist, die im letzten Monat unrühmlich in die Nachrichten geraten sind: Sie hatte nämlich mal eine Innenbeleuchtung, was ich göttlich fand (ich muss doch all die vielen Schminksachen auseinanderhalten, auch und gerade abends!) – bloß hat der Magnet, der das Licht aktiviert hat, leider gleichzeitig EC- und Kreditkarten zerstört. Ich habe also seufzend den Magneten entfernt und besitze nun auch wieder nur unbeleuchtete Taschen, so wie alle. Ich mag sie aber nach wie vor, vor allem, weil der Mann meines Herzens sie mir geschenkt hat. Ich finde sie hübsch, praktisch und kompatibel zu eigentlich jedem Outfit. Schweigt also still, ihr Spötter!

So, das Stöckchen gebe ich nun weiter an Elke, Birgit, Petra und Andrea. Seid ehrlich, Mädels!

;-)