Im Herbst 2007 lernte ich Thomas Stolze und Achim Ritzmann kennen. Die beiden hatten Erfahrungen in der Entwicklungshilfe und im Fundraising, und sie planten aufbauend auf ihrem Know-how ein Projekt, bei dem ich sie textlich unterstützen durfte: Sie
wollten eine Online-Plattform gründen, auf der jedermann unter dem Motto “Tue Gutes und rede darüber” selber zum Spendensammler werden konnte. Jemand, der zum Beispiel Lust darauf hatte, an einem Marathon teilzunehmen und dabei dachte “Wenn ich schon schwitze, dann gern auch für einen guten Zweck”, der bekam hier die Möglichkeit, für jeden gelaufenen Kilometer um Sponsoren zu bitten, ganz einfach und unbürokratisch für sein Ziel zu trommeln und Spendern aus dem Bekannten- und Freundeskreis eine vertrauenswürdige Zahlungsmöglichkeit zu geben. Die Idee bezog natürlich nicht nur Sportprojekte ein, sondern begann beim Geburtstagskind, das statt Geschenken um Spenden für eine Herzensangelegenheit bat, und hörte beim Theaterstück, dessen Eintrittsgelder gestiftet wurden, noch lange nicht auf.
Die Plattform nannte sich Elargio, und es hat mir einen Riesenspaß gemacht, für solch ein wunderbares Projekt Texte für Website, Infoflyer und Mailings zu schreiben. Mittlerweile haben Thomas Stolze und Achim Ritzmann ihre Kompetenzen mit denen der Plattform Helpedia zusammengelegt. Elargio und Helpedia sind vor einiger Zeit miteinander verschmolzen; den ursprünglichen Plan, eine simple und wirkungsvolle Fundraising-Plattform anzubieten, setzen die Elargio-Gründer heute noch genauso um wie unter dem mittlerweile abgelegten Namen.
Dass sie wirklich etwas bewirken können – oder besser: dazu beitragen können, dass jeder und jede von uns etwas bewirken kann, ob als Spendensammler oder als Spenderin -, das zeigt sich in diesen Tagen, in denen einem Land eine furchtbare Katastrophe widerfahren ist: Johnny Häusler vom Spreeblick hat eine Helpedia-Spendenaktion namens “Rettungsanker Haiti” ins Leben gerufen. Und er konnte dank zahlreicher Unterstützer seit dem 15. Januar, also innerhalb von gerade mal 5 Tagen, bis zur Stunde bereits 22.178 Euro einsammeln.
Wären Teile dieses Geldes nicht sowieso gespendet worden, könnte man nun fragen. Ja, sogar mit Sicherheit. Aber durch haufenweise Weiterleitungen auf Twitter, durch Verlinkungen in Blogs, durch Nachrichten auf Facebook, durchs Weitersagen per E-Mail wurden all die wunderbaren Wege genutzt, die das Web 2.0 zu bieten hat. Und ich glaube, dass auf diese Weise – dadurch und weil das Spenden auf Helpedia nur wenige Klicks erfordert – mehr Spender mobilisiert wurden, als es sonst der Fall gewesen wäre. Und dass nun mehr Menschen wissen, dass sie angesichts solch unfassbarer Katastrophen, denen wir erst einmal hilflos gegenüberstehen, sogar selbst aktiv werden können: Selber zum Fundraiser werden. Verlinken und Verbloggen und dadurch andere mobilisieren. Aktionen weitersagen.
Die Welt ist durch das Internet klein geworden und Haiti deshalb gar nicht mehr weit weg von uns. Das heißt aber auch, dass wir den Menschen dort nahe genug sind, um etwas für sie zu tun.
Ich freue mich darüber, dass Thomas’ und Achims Idee so offensichtlich richtig war und Menschen zugute kommt, denen jetzt unsere ganze Solidarität gelten muss. Dass über Helpedia Menschen wie du und ich – keine berühmten Künstler, keine Politiker, keine einflussreichen Schriftsteller – ihre Umgebung mobilisieren, um etwas zu bewegen. Und ich hoffe, dass die Spendenflut noch lange nicht versiegen wird.
Wir sollten uns fest vornehmen, in Monaten und Jahren den Blick noch immer nach Haiti zu richten. Denn die Menschen in Port-au-Prince haben auch in den kommenden Zeiten des Aufbaus unseren Beistand verdient!

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