Liebe Textsektor-Leser,

Julia hatte mit Christa
und mir abgemacht, dass unser Wichtelthema das virtuelle Netzwerken
sein soll. Das Netz im Netz, wenn man so will.

Glücklicherweise geht es mir nicht so wie meiner Comic-Heldin PABBLES,
sonst hätte ich den Texttreff
nicht entdeckt und wäre vermutlich auch keine Autorin. Oder es wäre
sehr viel schwieriger geworden. Denn meine Autorenkarriere begann
bereits 1999 in einer Mütter-Mailingliste.

PabblesNetzwerken_fertig

Einer der Mütter dort gefiel der Schreibstil meiner Mails. Sie war der
Meinung, ich solle daraus etwas machen und gab mir in ihrer
Eigenschaft als Lektorin eines österreichischen Familienmagazins den
Auftrag, einen Artikel für das Blatt zu schreiben. Damit fing im
Prinzip meine Schreibkarriere an.

Im Frühjahr 2002 erfuhr ich durch den mediafon-Newsletter vom Texttreff,
den ich bereits nach wenigen Wochen mein virtuelles Großraumbüro
nannte. Etwas, das von unschätzbaren Wert ist, wenn man ohne Kollegen
aus Fleisch und Blut arbeitet. Dass es sich um das beste Netzwerk
überhaupt handelte, lernte ich erst im Laufe der Jahre.

Die ersten Buchveröffentlichungen

Zunächst entstanden zwei meiner Bücher durch Textinen-Networking. Das
erste Projekt war gleichzeitig das erste Textinenbuch überhaupt: “Mama
im Job”, ein Ratgeber für berufstätige Mütter. Textine Karina Matejcek fragte mich, ob ich
mir vorstellen könne, gemeinsam mit ihr einen solchen Ratgeber zu
schreiben. Ich konnte. Und nur ein knappes Jahr nach dieser Anfrage,
lag “Mama im Job’” in den Buchläden. Der Text war in einem Mailwechsel
über rd. 1.000 Kilometer Entfernung entstanden.

Das zweite Buch habe ich Textine Momo Evers zu verdanken, die
mich für den ersten Band einer neuen Krimireihe gewinnen wollte. “Wer
zuletzt lacht, lebt noch” erschien 2006 und wäre ebenfalls ohne das
virtuelle Networking im Texttreff nicht geschrieben und veröffentlicht
worden.

Online oder offline netzwerken?

Ich tausch(t)e mich natürlich auch mit anderen Autorengruppen aus,
bekam hier einen Tipp, in welchem Verlag ein bestimmtes Thema gesucht
wurde und konnte da jemandem weiterhelfen, der sich gerade in seinem
Manuskript verhakt hatte. Netzwerken ist ein Geben und Nehmen – egal
ob in den Weiten des Internets oder in der realen Welt, wobei die
Übergänge mittlerweile längst fließend sind. Viele Menschen, die ich
zunächst nur online kannte, sind mir im Laufe der Jahre IRL ans Herz
gewachsen. Und ich würde nicht sagen, dass die Qualität eine andere
ist – ob es sich um das kleinste Netzwerk ‘Familie’ handelt, das schon
in der Steinzeit funktionierte, um die Herren im Rotary-Club oder um
die Followerpower bei Twitter, hinter der ja auch echte Menschen
stecken, von denen ich etliche längst offline getroffen und schätzen
gelernt habe.

Hilf, und dir wird geholfen

Netze können auch auffangen, und das Internet ist sensationell, wenn
es darum geht, Menschen in Notlagen zu helfen. Ob mit Spenden oder
tatkräftiger Unterstützung – wenn in einer Community jemand in
echte Not gerät
, wird er nicht alleine gelassen.

Wenn die Muse streikt

Doch um auf den Job zurückzukommen: ohne virtuelles Networking liefe
mitunter gar nichts. Wenn andere Menschen mal eben ein Brainstorming
im Büro durchführen, sitze ich am Rechner und zermartere mir alleine
das Hirn, bis ich dann doch zum virtuellen Gehirnsturm im viel
zitierten Texttreff aufrufe. Auch wenn ich einen Tritt in den Hintern
brauche, weil ich wieder mal alles mache, nur nicht an meinem
Manuskript arbeiten – auf das Internet ist Verlass. Ebenso helfe ich
anderen ihre Schweinehunde und streikenden Musen zu bezwingen.

Menschen aus meiner Vor-Internetzeit können das alles nicht, weil sie
völlig andere Interessen, Berufe und Online-Zeiten (wenn überhaupt!)
haben.

Ich hoffe, es gibt bis in alle Ewigkeit Strom auf der Erde.

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Gastbeitrag von Petra A. Bauer - und niemals zuvor war mein Blog so schön illustriert wie mit PABBLES! ;-) Ein weiterer Beitrag der Aktion Texttreff-Blogwichteln.