Gastbeitrag von Christa Goede.

Virtuelle Netzwerke sind unverzichtbar für alle Menschen, die das Internet zu einem Teil ihrer Lebenswelten gemacht haben. Die Plattformen dienen der Präsentation der eigenen Arbeit, der intensiven Freundespflege und häufig auch der reinen, puren Prokrastination. Manche Netzwerke schaffen es sogar, alle drei Zwecke zu erfüllen.

Aktive Netzwerker stellen aber ganz schnell fest, dass das, was sie tun, gar nicht so virtuell ist: Bei Xing finden sich Kollegen aus dem realen Leben, auf Google+ und Facebook pflegt man eine illustre Mischung aus Geschäftskontakten und Busenfreunden. Reale und virtuelle Bekanntschaften lassen sich nicht mehr trennen. Und auch die Freizeit- und Arbeitswelten vermischen sich. Immer weiter und weiter.

Netzwerken ist eine tolle Beschäftigung für alle Menschen, die gerne kommunizieren – ich bin so ein Mensch. Doch leider muss ich auch mal Geld verdienen. Deswegen beschränke ich mich auf vier Plattformen:

Xing: Der Ort für glamouröse Selbstdarsteller mit tollen Berufsbezeichnungen. Die Mitglieder geben sich stets seriös und um die Außenrepräsentation bemüht. Außer in den Foren: Da wird die Sau rausgelassen, es finden sich alle Arten von direkten oder perfiden Beschimpfungen, extreme Dumping-Angebote und Leute, die jede interessante Diskussion in eine tranige Eigen-PR-Mitteilung verwandeln können. In Nullkommanix.

Facebook: halbseriöse, halbseidene Spielwiese mit einer schrägen Mischung aus verrückten Privatseiten und geschäftlichen Fanpages. Nur zu empfehlen für Leute, die genau auf die Pflege ihrer Freundeslisten achten und die Regeln fürs konfliktfreie Posten aus dem FF beherrschen.
Das Geheimrezept für Neumitglieder: Unbedingt einmal pro Woche Catcontent posten. Denn 99,99 % aller Facebook-Mitglieder stehen total auf Katzen. Miezenbildchen, -filmchen oder -textchen sorgen für eine reich gefüllte Freundesliste! Garantiert!

Google+: Experten unter sich. Von Tausenden von Menschen wird gekreist, was das Zeug hält, aber geschrieben wird von den immer gleichen Social-Media-Koryphäen. Für Spanner und Exhibitionisten gleichermaßen zu empfehlen.
Achtung: Facebook-Mitglieder erleiden bei Google+ mehrfach täglich ein Déjà-vu wegen der Crosspostings. Oder umgekehrt.

Texttreff: DAS Lieblingsnetzwerk vieler toller Frauen aus der schreibenden Zunft (Textinen genannt). Hier finden sich kreative Ping-Pong-Spielerinnen, konzeptionell denkende Sparrings-Partnerinnen, großartige Ideen- und Stichwort-Geberinnen und wertvolle Tipps zur Jobsuche oder Akquise. Außerdem gibt’s hier noch offene, sehr liebevolle Ohren für die kleinen und großen Probleme des Alltags, perfekte Köchinnen mit großartigen Rezepten, reale Diätcoaches und virtuelle Nichtraucher-werden-Beraterinnen. Textinen sind einfach immer da. Und mit Herz dabei.

Genau deshalb habe ich diesen Text geschrieben: weil Julia und ich stolze, zufriedene und glückliche Textinen sind! Und weil wir im Texttreff „Blogwichteln“ betreiben. Das heißt, Julia schrieb einen Text für meinen Blog, ich schrieb diesen Text für ihren Blog. Genau wie 45 andere Texttreff-Frauen mit insgesamt 55 Blogs füreinander Beiträge schreiben. Zu Weihnachten.

Eine herrliche Idee, oder?