In diesem Blog ist es viel zu ruhig – viel ruhiger, als ich es ahnte, bevor ich merkte, dass regelmäßiges Bloggen viel mehr Aufwand bedeuten würde als gedacht. Aber einmal im Jahr, da passiert hier auf jeden Fall was. Was Schönes! Denn mein Lieblingsnetzwerk, der Texttreff, veranstaltet – wie schon 2011 – zum zweiten Mal das vorweihnachtliche Blogwichteln. Insgesamt 63 Texterinnen besuchen sich dieses Jahr gegenseitg in ihren Blogs und verschenken aneinander Blogbeiträge. Im letzten Jahr waren Petra A. Bauer und Christa Goede bei mir zu Besuch. In diesem Jahr werde ich selber an einem Tag irgendwann bis zum 24. Dezember zu Gast in Livia Grupps Text und Schreiben sein. Und jetzt freue ich mich unheimlich über Andrea Behnke, die für den Textsektor-Blog geschrieben hat. Andrea ist Autorin des Buches  Und was passiert dann? – Geschichten erfinden mit Kindern. Für den Textsektor-Blog hat sie Tipps zusammengestellt, wie auch Erwachsene Hemmungen überwinden, um *sie* rauszulassen – die Geschichten, die erzählt werden wollen. Lest selbst!

Wir erzählen uns oft etwas: wie es auf der Arbeit war, was wir im letzten Urlaub erlebt  haben oder wovon der Kinofilm handelte. Doch wenn es darum geht, Geschichten zu erfinden, bekommen viele Erwachsene sofort eine Mundsperre. Die Worte sind drin und wollen nicht raus. Zu groß die Angst, dass die Geschichte „unspannend“ sein könnte, dass wir die anderen langweilen oder dass wir uns verhaspeln.

Dabei ist Geschichten erfinden – Storytelling, wie es neudeutsch heißt – wieder angesagt. Im Marketing werden Geschichten erzählt, um Produkte erlebbar zu machen, Erzähltheater ist wieder in, und Eltern erzählen wieder mehr mit ihren Kindern als noch vor einigen Jahren.

Also: Trau dich ruhig – auch ohne Kinder oder Enkelkinder. Denn Geschichten zu erfinden macht einfach Spaß und schult die Improvisationsfähigkeit. Warum nicht mal einen Erzähl-Abend mit Freunden veranstalten? Gerade zu Weihnachten oder Silvester könnte das eine nette Abwechslung sein.

Dazu braucht es nicht viel: allenfalls ein paar kleine Utensilien und Phantasie. Letztere müssen Erwachsene vielleicht ein bisschen mehr kitzeln als Kinder – aber, keine Angst, es funktioniert, wenn du dir den Druck nimmst. Es geht schließlich nicht um eine perfekte Geschichte, die veröffentlicht werden soll, sondern um das Fabulieren.

Ganz einfache Erzählspiele können den Anfang machen.

Flaschendrehen

Sicher kennen alle Flaschendrehen von ihren ersten Teenie-Partys. So kannst du zusammen mit anderen auch eine Geschichte erfinden (und nein, du musst dich dabei nicht ausziehen – versprochen). Du legst einige einfache Alltagsgegenstände in einen Kreis. Mach dir beim Aussuchen keine großen Gedanken. Es können zum Beispiel ein Handy, eine Haarspange, eine Kastanie, ein Bild aus einer Zeitschrift, eine Schachtel Kekse und Ähnliches sein. Dann setzen sich alle in einen Kreis; der Erste dreht. Der Gegenstand, auf den die Flasche zeigt, wird zur Hauptfigur der Geschichte. Das Handy zum Beispiel. Wer gedreht hat, fängt an und erzählt ein paar Sätze vom Handy. Dann dreht der Nächste. Der muss einen neuen Gegenstand in die Geschichte einknüpfen. Der Zufall erfindet also mit – und gibt der Geschichte kuriose Wendungen.

Dreier-Geschichten

Auch hier spielt der Zufall die Hauptrolle. Jeder schreibt drei Worte auf drei Zettel: ein Adjektiv, eine Person und einen Ort. Anschließend darf jeder einen Zettel aus jeder Kategorie ziehen. Da kommen zum Teil ganz wilde Kombinationen heraus, etwa: ein Autoverkäufer, Wüste, schneeweiß. Merkst du, wie es schon anfängt, im Kopf zu rattern? Was macht der Autofahrer in der Wüste? Wie kam er dahin? Gibt es in der Wüste Autos? Und was ist schneeweiß? Und schon entspinnt sich eine Geschichte. Man kann natürlich auch mit zwei Begriffen anfangen: zum Beispiel eine Märchenfigur und ein Ort. Oder ein Tier und ein Beruf. Beziehungsweise ein Beruf und eine Tätigkeit.

Überall erfinden

Im Grunde kann alles zu einer Geschichte werden. Übe doch einfach einmal für dich. Beim Kochen: Ist der Kochlöffel nicht eine prima Figur? Was hat sie erlebt? Mit wem ist er in der Schublade befreundet? Oder auf dem Weg zur Arbeit: Wer wohnt wohl in diesem kleinen Gartenhaus. Wie sieht es von innen aus? Was passiert in dem Häuschen? Geschichten liegen buchstäblich auf der Straße. Du musst sie nur rauslassen.

Andrea Behnke