Und wieder einmal bin ich beschenkt worden, wie in den Vorjahren schon von Petra A. Bauer, Christa Goede und Andrea Behnke. Der diesjährige Gastbeitrag stammt von Dr. Christine Hutterer – ich hab Christine gefragt, ob sie Lust hat zu beschrieben, was “das gute Leben” für sie ausmacht. Danke für deine Antwort, Christine !

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Ich bin in den Lebenswissenschaften (Life sciences) zu Hause, meine „Firma“ heißt LEBENSWERKE  und ich lebe. Klar, dass ich mich also mit Leben auskenne! Oder?! Das Glück hat mir im Rahmen des diesjährigen Blogwichtelns des Netzwerks Texttreff Julia Dombrowskis Textssektor-Blog zugelost. Und sie denkt, ich kenne mich mit Leben aus. Zumindest darf ich in hier meine Gedanken zum „guten Leben“ kundtun.

Das „gute Leben“ – eine Frage der Perspektive

Dr. Christine Hutterer

Dr. Christine Hutterer

Das Thema ist, entgegen des ersten Eindrucks, nicht ganz leicht. Denn jeder von uns lebt jeden Tag. Und ob diese Tage oder diese Leben gut sind oder nicht, liegt fast ausschließlich im Auge des Betrachters. Für den einen bedeutet ein gutes Leben Karriere machen und viel Geld verdienen, für andere sind Kinder der Sinn und Inbegriff eines guten Lebens, für nochmals andere ist es das Berühmt erden oder das Bloß-nicht-Auffallen. Wie lang muss ein Leben sein, damit es gut ist oder war? Was muss man gemacht haben, damit das Leben von sich selbst und/oder von anderen als gut gestempelt wird?

Ich habe schon einige Reisen gemacht, Kinder bekommen, bin mit meiner Familie und Esel vier Wochen durch Korsika gewandert, habe Berggipfel erklommen, mir einen Doktortitel erarbeitet, mich beruflich verändert, Freunde gewonnen und verloren, habe mit meiner Gesundheit gerungen … Vieles davon hat mich sehr glücklich gemacht. Aber reicht es auch für ein gutes Leben?

Und was ist denn eigentlich ein lebenswertes Leben? Im Rahmen der vorgeburtlichen Diagnostik wird das immer wieder diskutiert – kann ein Kind mit einer Behinderung ein gutes und glückliches Leben führen? Von gesunden Erwachsenen wird das oftmals bezweifelt und es werden die Konsequenzen gezogen. Conny Wenk sieht das anders. Sie stellt Kinder mit dem „little extra“, einem zusätzlichen Chromosom 21, vor. Die Fröhlichkeit und Lebensfreude springt von den Bildern geradezu über!

Das universelle Lebensglück – ein Rezept

Doch es gibt Dinge, die dann doch alle oder sehr viele Menschen teilen. Die australische Sterbebegleiterin Bronnie Ware hat darüber ein Buch geschrieben. Sie hat Menschen am Sterbebett zugehört und deren Aussagen zusammengetragen. Herausgekommen sind fünf Dinge, auf die man besser schon jetzt aufpassen sollte.

  1. “Ich wünschte, ich hätte Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben”
  2. “Ich wünschte, ich hätte weniger gearbeitet”
  3. “Ich hätte meine Gefühle besser ausdrücken sollen”
  4. “Ich wünschte, ich hätte mich mehr um meine Freunde gekümmert”
  5. “Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt”

Beim Lesen dieser fünf Punkte musste ich schlucken. Denn auch ich – noch fidel und soweit vorauszusehen noch weit entfernt vom Sterben – denkettbw_button mir genau diese Dinge! Sich nicht zu sehr nach den Erwartungen von anderen zu richten, sondern die eigenen Wünsche und Träume zu verwirklichen, keine Angst vor der persönlichen Integrität zu haben, und auch „unerwünschte“ Gefühle zu kommunizieren, sich aktiv für Glück und Freude entscheiden.

DAS BESTE WÄRE WOHL, EINFACH DAMIT ANZUFANGEN! Da wir gerade kurz vor dem Jahreswechsel stehen, wäre das doch ein guter Vorsatz für 2014!