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	<title>Textsektor-Blog &#187; Parallelwelten</title>
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	<description>Fundstücke.</description>
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		<title>Geschenke für alle</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 11:33:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Givebox Siegen]]></category>

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		<description><![CDATA[An einem Donnerstag im endenden Jahr 2011 beginnt es: Ein Weltbild wird in den nächsten Wochen auf den Kopf gestellt – mein Weltbild. Dazu gehört erstens: Westfalen sind stur. Zweitens: Südwestfalen sind ganz besonders stur. Drittens: Behörden legen gerne Steine in Wege. An diesem Tag, an dem die Wandlung anfängt, werden Angehörige einer südwestfälischen Stadtverwaltung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>An einem Donnerstag im endenden Jahr 2011 beginnt es: Ein Weltbild wird in den nächsten Wochen auf den Kopf gestellt – <strong>mein </strong>Weltbild. Dazu gehört erstens: Westfalen sind stur. Zweitens: Südwestfalen sind ganz besonders stur. Drittens: Behörden legen gerne Steine in Wege.</p>
<p>An diesem Tag, an dem die Wandlung anfängt, werden Angehörige einer südwestfälischen Stadtverwaltung mit herzerwärmender Begeisterung einem unkonventionellen Projekt zustimmen, das eine Gruppe von rund 15 Ehrenamtlichen auf die Beine stellen will. In Siegen soll eine „Givebox“ entstehen. Das ist eine wetterfeste, selbst zusammengezimmerte Holzhütte, 24 Stunden am Tag zugänglich, in der jedermann ausgemusterte Dinge ablegen kann, die für andere Menschen noch einen Wert haben. Bücher, Kleidung, Spielzeug, CDs; was immer das Herz begehrt. Wem etwas gefällt, nimmt es einfach mit, ohne jede Gegenleistung. Rund zehn solcher Hütten gibt es zu diesem Zeitpunkt in Deutschland.</p>
<p>Und dieses Konzept soll nun der Stadt vorgestellt werden. Unkonventionelle Nachbarschaftshilfe und westfälische Sturheit: Geht das überhaupt zusammen? Im Rathaus ist man sofort Ohr – „Das ist ja eine tolle Idee!“, sagt eine der sympathischen Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung, als sie das erste Mal mit den Organisatoren spricht. Der Bürgermeister ist in Windeseile von dem Vorschlag eingenommen. Auf allerkürzestem Dienstweg werden Genehmigungen eingeholt: „Wir erledigen das für Sie!“</p>
<p>Spontan bietet der Ortsvorsteher im anliegenden Rudersdorf eine leerstehende Halle für den Aufbau an. Dort entsteht die Box, wird aber viel massiver, als die Gruppe vermutet hatte – wie soll die schwere Hütte bloß 20 Kilometer bis in die Siegener Innenstadt transportiert werden? Ein weiterer Südwestfale brummt ein freundliches „Machen wir schon“ und stellt kurzerhand einen Lastwagen mit Hebevorrichtung zur Verfügung. Der Transporter rollt an, der Kran kann aber nicht unter das Vordach der Halle greifen – kurz bricht Ratlosigkeit aus. Doch der südwestfälische Himmel schickt einen unbeteiligten Passanten, der das Geschehen beobachtet. „Braucht ihr einen Gabelstapler? Ich hab einen!“ Wie oft erlebt man in seinem Leben, dass ein hilfsbereiter Gabelstaplerfahrer um die Ecke kommt, wenn man nichts dringender als einen Gabelstapler braucht? Das ist Karma, südwestfälischer Art.</p>
<p><a href="http://www.textsektor.de/blog/wp-content/uploads/2012/01/400435_277483752300381_261652903883466_728253_24877773_n.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1332" title="400435_277483752300381_261652903883466_728253_24877773_n" src="http://www.textsektor.de/blog/wp-content/uploads/2012/01/400435_277483752300381_261652903883466_728253_24877773_n-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a>Manchmal reagieren sie ein bisschen verlegen, einige dieser Siegerländer: Wenn sie überschüttet werden mit überschwänglichem Dank für ihre tatkräftige Hilfe, dann wird ihnen das fast zu viel; „Schon gut“, brummen sie dann etwas abwehrend, lächeln dabei ein wenig, wollen das aber gar nicht wirklich zeigen. So ein Südwestfale macht eben nicht viele Worte, der packt einfach an, wenn er das für richtig hält, ohne großes Aufhebens.</p>
<p>Schließlich steht sie fix und fertig mitten in Siegen, dank des Segens der Stadt, der Hilfe des Siegerländer Himmels, vieler helfender Hände und brummender, manchmal wortkarger, herzenswarmer Südwestfalen. Und wie reagieren Siegerländer Passanten auf die quietschbunte Holzbox in ihrer Innenstadt? „Ach, das ist ja eine prima Idee, ich hab auch noch schöne Sachen, die ich nicht mehr brauche!“ Das sagen viele von ihnen, wenn sie neugierig vor dem fremden Objekt stehenbleiben.</p>
<p>Manchmal gibt es nichts Schöneres, als wenn das Weltbild plötzlich auf dem Kopf steht. Das kann sich nach dem ersten Schreck fantastisch anfühlen!</p>
<p><em>Veröffentlicht im <a href="http://suedwestfalenmanager.de/" target="_blank">SÜDWESTFALEN MANAGER</a> (Ausgabe Januar 2012) unter der Rubrik „Parallelwelten“.</em></p>
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		<title>Gemüter voller Sonne</title>
		<link>http://www.textsektor.de/blog/2011/06/gemuter-voller-sonne/</link>
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		<pubDate>Fri, 10 Jun 2011 14:47:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Praktikanten]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie heißen Svenja, Jan-Hendrik oder Kim. Bei ihrer Vorstellung versichern sie mit Engelsgesicht, unheimlich engagiert und interessiert zu sein. Der Inbrunst ihrer Unschuldsminen glaubt man gern – bis sie ihre vier Wochen bis drei Monate gähnend im Unternehmen absitzen und jedes motivierende „Hast du noch eine Frage?“ mit einem schulterzuckenden „Weiß nicht“ beantworten. (Nicht so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie heißen Svenja, Jan-Hendrik oder Kim. Bei ihrer Vorstellung versichern sie mit Engelsgesicht, unheimlich engagiert und interessiert zu sein. Der Inbrunst ihrer Unschuldsminen glaubt man gern – bis sie ihre vier Wochen bis drei Monate gähnend im Unternehmen absitzen und jedes motivierende „Hast du noch eine Frage?“ mit einem schulterzuckenden „Weiß nicht“ beantworten. (Nicht so Sascha, der zeigt nach einer mehrstündigen Einführung prägnant-gezielte Wissbegierde: „Wie is‘n das hier eigentlich mit Zigarettenpausen?“)</p>
<p>Ein junges Mädchen steht im Eingangsbereich eines Unternehmens und trifft dort auf die zwei Geschäftsführer. Es hält ein Dokument hoch und rattert herunter, sie brauche eine Bestätigung für ihre Schule, dass sie im nächsten Monat hier ihr Praktikum beginnen würde. Die Bescheinigung wird unterschrieben, denn die Geschäftsführerin denkt sich, das werde die Schülerin wohl mit ihrem Partner abgemacht haben. Der Geschäftsführer seinerseits nimmt an, seine Partnerin kenne das Mädchen. Aber herrje: „Wer war denn das eben?“ – „Ja, weißt du das denn nicht?“ Hat die Kleine Chuzpe oder Naivität bewiesen? Die Welt hat jedenfalls eine neue Schülerpraktikantin.</p>
<p>Praktikanten: Es gibt die begabten. Es gibt die eher unauffälligen. Und es gibt Marvin. Er ist ein Student mit sonnigem Gemüt. Deshalb kostet es kaum Überwindung, ihn an einem Kundengespräch teilnehmen zu lassen. (Bei Kim war das anders; Kim bettete zu gern ihren Kopf auf die Tischplatte. Das sah nie sonnig aus.) Nachdem Marvin der Verhandlung eine Weile gelauscht hat, steht er auf, tritt hinter den Abteilungsleiter, legt ihm anerkennend eine Hand auf die Schulter und lässt ihn strahlend wissen: „Das haben Sie jetzt wirklich richtig gut gemacht!“ Lächelt den Kunden an und setzt sich wieder.</p>
<p>Kevin hospitiert in der Marketingabteilung eines Mittelständlers; um 16.30 Uhr hat er Büroschluss. Am ersten Tag aber fährt er den Rechner, an den er gesetzt worden ist, bereits um 16.10 Uhr herunter. Wieso er so früh schon den Ausschalter betätige, fragt man ihn – und er antwortet in großem Ernst: Das Anziehen der Jacke, nicht zu vergessen der Weg zum Ausgang dauere ja auch seine Zeit.</p>
<p>Leon wurde mal im Auto vergessen, eineinhalb Stunden lang. Das mache ihm nichts aus, sagte er danach, da sei es nicht langweiliger gewesen als sonst auch. Leon verbrachte daraufhin die meiste Zeit seines Praktikums auf dem Beifahrersitz des stehenden Dienstwagens. Carmen tut sich nicht allzu sehr hervor, aber eines, das kann sie gut: Sie verabschiedet Kunden. Unheimlich freundlich. Leider grundsätzlich fünf Minuten früher als ihr Chef; das mit dem Timing kriegt sie in den nächsten Wochen nicht mehr besser hin.</p>
<p>Ich hab auch mal ein Praktikum gemacht, im zarten Alter von 16 – Zeitungsredaktion. Wurde zu einem Termin geschickt, bat dort mit hochrotem Kopf um ein Telefon; versuchte, Seriosität zu heucheln: „Entschuldigen Sie mich bitte, muss ein wichtiges Gespräch mit dem Ressortleiter führen!“ Betete darum, dass niemand meinen telefonischen Hilferuf hören könnte: „Mein Gott, wo an dieser verfluchten Kamera ist denn bloß der Auslöser!?“ Sagen wir, wie es ist: Mit Praktikanten hat man selten weniger Arbeit, aber manchmal mehr Spaß!</p>
<p><em>Veröffentlicht im <a href="http://suedwestfalenmanager.de/" target="_blank">SÜDWESTFALEN MANAGER</a> (Ausgabe Mai 2011) unter der Rubrik „Parallelwelten“.</em></p>
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		<title>Südwestfalen lieben</title>
		<link>http://www.textsektor.de/blog/2011/05/sudwestfalen-lieben/</link>
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		<pubDate>Wed, 25 May 2011 12:51:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Südwestfalen lieben]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Internet ist superklug. Und Google ist so etwas wie die allwissende Müllhalde der virtuellen Welt. Weil das so ist, kann man dort alles erfragen und absolut jede Wahrheit ans Licht holen. Hat man das einmal erkannt, lassen Recherchen überhaupt nur einen einzigen Rückschluss zu: Wir sollten unsere Region noch viel mehr lieben, als wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Internet ist superklug. Und Google ist so etwas wie die allwissende Müllhalde der virtuellen Welt. Weil das so ist, kann man dort alles erfragen und absolut jede Wahrheit ans Licht holen. Hat man das einmal erkannt, lassen Recherchen überhaupt nur einen einzigen Rückschluss zu: Wir sollten unsere Region noch viel mehr lieben, als wir es eh schon tun. Wirklich! Passen Sie mal auf:</p>
<p>Wenn Sie bei Google „Südwestfalen“ und „schön“ eingeben, kriegen Sie 372.000 Ergebnisse. Versuchen Sie es mal mit „Südwestfalen“ in Kombination mit „hässlich“: bloß 10.100 Treffer. Sehen Sie! Aber das ist noch nicht alles: „Südwestfalen“ plus „nette Leute“: 6.760 Ergebnisse. „Südwestfalen“ plus „alles Blödköpfe“: gerade mal fünf Treffer. Hallo? Ist das eindeutig oder eindeutig?<span id="more-1245"></span></p>
<p>Ich habe neulich mal ein bisschen das Sauerland erkundet; als Nicht-Naturmensch mache ich das normalerweise nie. Himmel, ist das vielerorts hübsch dort, ich hatte ja keine Ahnung, wie sehr! Ein bisschen wie Allgäu plus Hobbingen (das ist da, wo die kleinen Leute mit den behaarten Füßen wohnen, Herr der Ringe, Sie erinnern sich?), aber irgendwie dezenter. Probieren wir es aus: „Urlaub im Sauerland“ erzielt stolze 1.150.000 Treffer. Im Vergleich: „Urlaub auf den Seychellen“ – gerade mal 700.000 Treffer mehr. Kuckuck, Leute, bitte aufwachen: Statt im Indischen Ozean nach Korallen zu tauchen, kommt doch Barsche gucken in der Bigge! Irgendwann wird das mal passieren, und wenn es so weit ist, werde ich die Erste gewesen sein, die es vorausgesehen hat.</p>
<p>Oder hier: Das Wittgensteiner Land kennt doch kein Mensch hinter Paderborn oder nördlich von Dorsten – springt aber 900.000 Mal in Einträgen bei Google umher! Für „Siegen ist die schönste Stadt Deutschlands“ gibt es keine Treffer. Nicht einen einzigen. Das ist die Gegenprobe; mit ihr ist sichergestellt, dass man nicht jeden Blödsinn googelnd verifizieren kann. Nee, Siegen ist im Internet nach wie vor „schlimmer als Verlieren“ – aber die Siegplatte kommt ja bald weg, dann wird das World Wide Web vielleicht etwas gnädiger.</p>
<p>Die Kombination aus „cool“ und „Südwestfalen“ verliert übrigens leicht gegen die Kombination aus „gemütlich“ und „Südwestfalen. Na ja, sollen doch die Metropolenbewohner cool sein, die haben ja sonst nix zum Angeben. Wir sind gerne gemütlich! Und: Google verbindet mit der Gegend deutlich stärker „herzlich“ als „sympathisch“ – aber damit können wir ganz gut leben, oder?</p>
<p>Lokalpatriotismus ist etwas so Schönes! Dabei ist Lokalpatriotismus eigentlich das, was erst im Schwelgen in Erinnerungen entsteht. Dann, wenn man mit Mitte 30 mit einem Mal überzeugt ist, dass man damals im Wartehäuschen gegenüber der Kuhweide zwischen zwei kaputten Kaugummiautomaten doch eigentlich ganz gern auf die einzige Buslinie gewartet hat, die einen sonntags zum Freibad in die nächste Kreisstadt gebracht hat. Und dass die Ahoj-Brausen-Mixgetränke der Küsterin bei der Kinderdisco im Jugendtreff irgendwie Kultstatus hatten. Lokalpatriotismus fristet meist ein Schattendasein in der Nostalgie – das sollte ein Ende haben! Holen wir das Fantum für die Heimatregion in die Gegenwart! „Südwestfalen lieben“: Diese Suchwort-Kombi hat zurzeit gerade mal genau einen Treffer. Da geht doch noch was! Legt euch ins Zeug, ihr Lokal-Mitpatrioten. Ihr braucht nur einen Internetanschluss.</p>
<p><em>Veröffentlicht im <a href="http://suedwestfalenmanager.de/" target="_blank">SÜDWESTFALEN MANAGER</a> (Ausgabe Juni 2011) unter der Rubrik „Parallelwelten“.</em></p>
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		<title>Nicht geschimpft ist Lob genug!</title>
		<link>http://www.textsektor.de/blog/2011/04/nicht-geschimpft-ist-lob-genug/</link>
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		<pubDate>Tue, 05 Apr 2011 14:48:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Nicht geschimpft ist Lob genug]]></category>
		<category><![CDATA[Südwestfalen]]></category>

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		<description><![CDATA[Zugezogenen fallen manchmal regionale Muster ihrer neuen Heimat auf, die den Einheimischen gar nicht bewusst sind. Zum Beispiel die Urban Legends, auf die man immer wieder trifft – auf Partys, beim Schwatz mit den Nachbarn, beim Small Talk mit dem Kunden. Ein Beispiel: Im Großraum Südwestfalen lerne ich oft Menschen kennen, die während ihrer Ausbildung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zugezogenen fallen manchmal regionale Muster ihrer neuen Heimat auf, die den Einheimischen gar nicht bewusst sind. Zum Beispiel die Urban Legends, auf die man immer wieder trifft – auf Partys, beim Schwatz mit den Nachbarn, beim Small Talk mit dem Kunden. Ein Beispiel: Im Großraum Südwestfalen lerne ich oft Menschen kennen, die während ihrer Ausbildung vor 20 oder 30 Jahren einen bestimmten Typ Chef hatten – oder damals garantiert jemanden kannten, der unter diesem Unternehmer arbeitete. Oder zumindest seinen Cousin oder dessen Nachbarn.</p>
<p>Die Legende geht so: <span id="more-1235"></span>Der besonders strenge Unternehmer/Abteilungsleiter/Ausbilder (die Funktion des Protagonisten wechselt von Version zu Version) geht über das Werksgelände (je nach Erzähler auch mal durch das Großraumbüro) und sieht jemanden untätig herumstehen. Wutentbrannt stellt er ihn vor versammelter Belegschaft zur Rede, wieso er die Hände in den Taschen halte, statt sich nützlich zu machen. Der Angesprochene reagiert gelassen: Nun ja, er warte grad. Der erzürnte Chef explodiert – bei ihm werde während der Arbeitszeit geschafft und nicht gestanden; er solle auf der Stelle seine Sachen packen und verschwinden. Sein Gegenüber bleibt weiterhin die Ruhe selbst: Er könne schlecht gefeuert werden, denn er arbeite gar nicht für diese Firma, sondern sei lediglich ein Lieferant. Der legendäre Südwestfale in Rage brüllt: „Na und? Ich schmeiße Sie trotzdem raus!“</p>
<p>Als Zugezogene fallen einem zwar die Muster solcher sich wiederholender Erzählungen auf, allein, es fällt schwer, Hintergründe der Geschichten korrekt zu bestimmen. Man beginnt aber unwillkürlich, eigene Beobachtungen anzustellen. Wie schroff und streng ist der Südwestfale wirklich? Ich war stets fast enttäuscht, dass ich sowohl beruflich als auch privat Tag für Tag auf freundliche, wohlgesonnene Menschen treffe; für mein Forschungsprojekt war das gar nicht hilfreich. Wie sollte ich schroffe Strenge messen, wenn ich sie nicht vorfinde? Fragte ich mich just wieder an einem Nachmittag, an dem ich jacken- und taschenlos mein Büro in einer südwestfälischen Innenstadt verlassen hatte, um ein paar Minuten lang erste Sonnenstrahlen des beginnenden Frühlings zu genießen. In diesem Moment sprach mich eine ärmlich gekleidete Frau an, die offenkundig auf der Straße lebte, ob ich vielleicht etwas Geld für sie habe. Ein Portemonnaie trug ich nicht bei mir, hatte aber zufällig wenigstens ein paar kleine Münzen in der Hosentasche, die zusammen etwa 40 Cent ergaben. Die legte ich ihr in die ausgestreckte Hand. Was ich dafür erntete, war ein vorwurfsvoller Blick. Die Hand wurde auch noch nicht zurückgezogen. „Nee“, erklärte sie, ihre Ungeduld mühsam zurückhaltend. „Nee! Einen Euro!“ Legte den Kopf schief und sah mich an wie ein ungezogenes Kind. Ich war entsprechend schuldbewusst. Kurz davor, ihr anzubieten, schnell ins Büro zurücklaufen und den Fehlbetrag zu holen, entfernte sie sich bereits kopfschüttelnd. Ohne mir die Chance zu geben, meinen Fehler wiedergutzumachen.</p>
<p>„Oha“, dachte ich, „so fühlt sich also südwestfälischer Tadel an.“ Ich weiß nach dieser Erfahrung, wie ich künftig reagiere, wenn man mir wieder erklärt: „Nicht geschimpft ist Lob genug – so sind wir hier in Südwestfalen!“ Verständnisvoll natürlich. Ich kann ja endlich mitreden.</p>
<p><em>Veröffentlicht im <a href="http://suedwestfalenmanager.de/" target="_blank">SÜDWESTFALEN MANAGER</a> (Ausgabe Februar 2011) unter der Rubrik „Parallelwelten“.</em></p>
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		<title>Fluch und Segen</title>
		<link>http://www.textsektor.de/blog/2011/02/fluch-und-segen/</link>
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		<pubDate>Fri, 11 Feb 2011 16:53:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Ständige Erreichbarkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Meldung des BKK Bundesverbands, ständige Erreichbarkeit mache Berufstätige auf Dauer krank, überraschte Ende letzten Jahres nicht unbedingt. Dass ein dauerhafter innerlicher Stand-by-Modus eine angespannte Erwartungshaltung auch nach Feierabend erzeugt, liegt nahe. Dauerndes Kommunizierenmüssen ist also ein Stressfaktor. Aber nur das Kommunizieren als solches? Man stelle sich mal vor, man hat alle Kanäle offen: Man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Meldung des BKK Bundesverbands, ständige Erreichbarkeit mache Berufstätige auf Dauer krank, überraschte Ende letzten Jahres nicht unbedingt. Dass ein dauerhafter innerlicher Stand-by-Modus eine angespannte Erwartungshaltung auch nach Feierabend erzeugt, liegt nahe. Dauerndes Kommunizierenmüssen ist also ein Stressfaktor. Aber nur das Kommunizieren als solches?</p>
<p>Man stelle sich mal vor, man hat alle Kanäle offen: Man trägt das Smartphone immer bei sich, ruft E-Mails auch mobil ab, hat seine Skype-Daten großflächig verteilt, das SMS-Eingangssignal schallt denkbar durchdringend und kann nicht überhört werden, der Anrufbeantworter des Festnetztelefons loggt sich ins Internet ein, damit auch in der Yogastunde kein Anruf durch die Lappen geht … Aber was, wenn nichts blinkt, nichts fiept oder piepst, was passiert in einer Situation ohne Klingeln, ohne Vibration, ohne „You got Mail“?<span id="more-1230"></span></p>
<p>Es ist zwar nichts angekommen, man lauert aber dennoch: Ob man das Blinken nur übersehen und das Piepsen überhört hat, ob das Klingeln unter- und die Nachricht vielleicht verlorengegangen ist? Also schüttelt und checkt man mobile Endgeräte und fährt mitten in der Nacht vorsichtshalber doch noch mal den Rechner hoch. Wer einmal einen ganzen Tag lang das Handy ausgeschaltet hat, um ausnahmsweise ungestört zu sein, kennt vielleicht Ängste vor folgendem Szenario: Mit triumphalem Selbstbewusstsein entscheidet man, dass Anrufer eben mal mit der Mailbox vorliebnehmen müssen. Viele Stunden lang kämpft man dann gegen den Drang, nachzuprüfen, ob mittlerweile eine Nachricht eingegangen sein könnte – ja, natürlich kämpft man, denn, entschuldigen Sie bitte, man schaltet ja schließlich gerade ab! Zwar wünscht man sich nichts sehnlicher als die Information, welche Message wartet – aber Freizeit ist immerhin kein Kinderspiel. Und dann der Super-GAU: „Es liegen keine neuen Nachrichten für Sie vor.“ Das muss man erst einmal auszuhalten lernen.</p>
<p>Kennen Sie störende Ruhe? Menschen, die mal in der Nähe einer Bahnlinie gelebt haben, wissen, was das ist: Die Züge hört man irgendwann nicht mehr, und auch dass man automatisch die Lautstärke des Fernsehers im Takt des Fahrplans aufdreht, geschieht unbewusst. Sobald man aber umzieht, kann man zunächst nächtelang nicht mehr einschlafen; es ist so komisch ruhig. Vergleichbar haben mittlerweile viele Kopfarbeiter die Fähigkeit verloren, sich richtig zu konzentrieren, wenn nicht alle paar Minuten das „Pling“ einer eintreffenden E-Mail sie unterbricht. Denn statt unverhoffte Zeitfenster zu nutzen, starren wir beunruhigt auf die Inbox und fragen uns, ob wir versehentlich irgendeine Einstellung verstellt haben – schlimmstenfalls den automatischen Abruf alle fünf Minuten.</p>
<p>Fazit? Ich hab keins. Denn ich gebe mein Smartphone trotz aller Erkenntnisse freiwillig nicht mehr her. Wenn mich wirklich mal ein paar Stunden überhaupt niemand erreichen will – dann hab ich immer noch ein paar überlebenswichtige Spieleapplikationen. Für die Langeweile. Wenn wir nicht gerade krank werden, passiert die selbst uns Informationsmanagern manchmal.</p>
<p><em>Veröffentlicht im <a href="http://suedwestfalenmanager.de/" target="_blank">SÜDWESTFALEN MANAGER</a> (Ausgabe Februar 2011) unter der Rubrik „Parallelwelten“.</em></p>
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		<title>Reinen Tisch gemacht!</title>
		<link>http://www.textsektor.de/blog/2011/01/reinen-tisch-gemacht/</link>
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		<pubDate>Mon, 10 Jan 2011 14:02:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsplatzoptimierung]]></category>
		<category><![CDATA[Büro-Kaizen]]></category>
		<category><![CDATA[Kaizen]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor dem Jahr 1800 gab es noch keine unterschiedlichen Schuhe für linke und rechte Füße. Ging auch! Geht aber besser, seit man seine Füße passender sortiert. Soll heißen: Optimieren durch Neuanordnung geht eigentlich immer. So spricht eine Bekaizte. Eine Bekehrte. „Büro-Kaizen“ ist der Name eines Konzepts zur Büroorganisation, mit der Vorgänge im normalen Schreibtisch-Tagesgeschäft schneller, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor dem Jahr 1800 gab es noch keine unterschiedlichen Schuhe für linke und rechte Füße. Ging auch! Geht aber besser, seit man seine Füße passender sortiert. Soll heißen: Optimieren durch Neuanordnung geht eigentlich immer.</p>
<p>So spricht eine Bekaizte. Eine Bekehrte. „Büro-Kaizen“ ist der Name eines Konzepts zur Büroorganisation, mit der Vorgänge im normalen Schreibtisch-Tagesgeschäft schneller, simpler und unaufgeregter klappen. <span id="more-1199"></span>„Kaizen“ kommt aus dem Japanischen und reimt sich nicht auf „beizen“, sondern spricht sich etwa „Kai-sänn“ (von „kai“ = „Veränderung“ und „zen“ = „zum Besseren“). Kaizen ist mehr oder weniger die coolere Variante der Ermahnung meiner westfälischen Oma, jedes Spielzeug, das ich benutzt habe, immer sofort zurück in die Spielzeugkiste zu räumen, denn dann sei mein Kinderzimmer niemals unordentlich.</p>
<p>Ein bisschen komplexer ist die Veränderung zum Besseren aber schon. An einem kalten Wintertag reiste eine Mannheimer Kaizen-Spezialistin nach Südwestfalen, um mich in die Geheimnisse der Arbeitsplatzoptimierung einzuführen. Nicht nur theoretisch. Und ich kann sagen: Es schmerzt. Denn Schritt eins des Kaizens besteht darin, alles Unnötige zu identifizieren und leidenschaftslos zu entfernen. Das fängt bei platzraubender Dekoration und dem doppelten Klebestift an und hört beim Sudoku-Heft (noch lange!) nicht auf. Sämtliche Schubladen, Regale, Ablageflächen werden gnadenlos auf Einsparpotenzial überprüft. Privates hat hier nicht länger etwas zu suchen, Unnützes wird weggeworfen oder im Archiv beziehungsweise Keller verbannt. Dort behält es allerdings keinen dauerhaften Platz: Hat man es innerhalb eines festgelegten Zeitraums immer noch nicht benötigt, wirft man es gnadenlos weg. Der professionelle Kaiz-Coach notiert das potenzielle Entsorgungsdatum und wird streng nachfragen. Wehren ist übrigens zwecklos: „Aber diese herzförmigen Büroklammern in Übergröße habe ich doch mal zu Weihnachten geschenkt bekommen!“ Vorgabe für die Zukunft: Klimbim, egal woher er stammt, wird nie wieder etwas am Arbeitsplatz zu suchen haben.</p>
<p>Schritt zwei des Vorgangs ist nicht minder hart: Abläufe optimieren. Das bedeutet auch: schlechte Angewohnheiten ablegen. Mein Kaiz-Coach versicherte mir, dass an dieser Stelle jeder von ihr Bekaizte versuchen würde, sich mit Argumenten, Trotz und Betteln zu wehren. Jeder Gegenstand, mit dem man sich befasst, darf nämlich nur noch genau so oft Aufmerksamkeit bekommen, wie unbedingt notwendig ist. In der Praxis heißt das zum Beispiel: Ablagekörbe sind von nun an verboten. Das, was bislang zunächst dort hinein wanderte und aufs Einsortiertwerden („Bei Gelegenheit!“) wartete, kommt von nun an immer sofort an den Platz, an den es gehört. Auf diese Weise, so schwören Kaizende und Bekaizte, räumt man nur dieses eine Mal auf, aber danach niemals wieder. Dieses Dogma könnte, und da bin ich sicher, von meiner Oma stammen!</p>
<p>Übrigens: In Unternehmen, die sämtliche ihrer Büro-Arbeitsplätze kaizen ließen, spricht man dank seltenerer Suchen, besser aufeinander eingespielter Teams und schnelleren Informationsflusses von 10 bis 30 Prozent eingesparter Zeit im Tagesgeschäft. Und laut einer ganz persönlichen Umfrage unter ebenfalls Bekaizten schenken klare äußere Strukturen beim Arbeiten viel mehr Ausgeglichenheit. Verraten Sie das aber nicht meiner Oma. Ich habe nämlich Angst vor ihrem breiten westfälischen „Siehste!“.</p>
<p><em>Veröffentlicht im <a href="http://suedwestfalenmanager.de/" target="_blank">SÜDWESTFALEN MANAGER</a> (Ausgabe Januar 2011) unter der Rubrik „Parallelwelten“.</em></p>
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		<title>Telefonsünden</title>
		<link>http://www.textsektor.de/blog/2010/11/telefonsunden/</link>
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		<pubDate>Thu, 18 Nov 2010 12:49:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Nervige Marketingtrends]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwei Mädchen verliefen sich vor einiger Zeit im Notfall-Abwassersystem der australischen Stadt Adelaide. Gut, dass sie ein Handy dabei hatten. Und zwar weshalb? Sie loggten sich darüber in ihren Facebook-Account ein und informierten dort ihre Freunde über die Notlage; diese wiederum riefen die Feuerwehr. Auf die altmodische Idee, das Handy zum Telefonieren zu nutzen, sind [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwei Mädchen verliefen sich vor einiger Zeit im Notfall-Abwassersystem der australischen Stadt Adelaide. Gut, dass sie ein Handy dabei hatten. Und zwar weshalb? Sie loggten sich darüber in ihren Facebook-Account ein und informierten dort ihre Freunde über die Notlage; diese wiederum riefen die Feuerwehr. Auf die altmodische Idee, das Handy zum Telefonieren zu nutzen, sind die Teenager nicht gekommen.</p>
<p>An manchen Tagen verstehe ich den Widerwillen, in ein Telefon zu sprechen. An denen möchte ich meinen Hörer nur benutzen, um Fliegen damit zu verscheuchen. Und was ist schuld? <span id="more-1176"></span>Marketingtrends! Es gibt Marketingideen, die sich durchsetzen – und garantiert auch immer jemanden, der diese Ideen übertreibt. Irgendwann behauptete mal jemand, dass Kunden sich am Telefon besonders ernst genommen fühlen, wenn sie mit ihrem Namen angesprochen werden. Die Älteren unter uns erinnern sich: Früher konnte man ein Telefonat mit einem Unternehmen führen, in dem der eigene Name bei der Begrüßung und vielleicht noch einmal bei der Abschiedsformel eine Rolle spielte. Inzwischen integrieren Mitarbeiter im Kundendienst, die von gewieften Telefoncoaches geschult wurden, die Anrede in fast jedem Satz. „Danke für Ihren Anruf, Frau Dombrowski. Ich frage mal meinen Kollegen, Frau Dombrowski. Bleiben Sie so lange in der Leitung, Frau Dombrowski? Frau Dombrowski, ich würde Ihnen gerne noch ein paar Angebote vorstellen …“ Wenn mir während eines einzigen Gesprächs mehr als dreimal gesagt wird, wie ich heiße, entwickele ich eine gewisse pubertäre Renitenz: Wie wäre es, wenn ich mich das nächste Mal unter dem Namen „Stankjawitschjute-Kurbjuweit“ melde? Dann guckt ihr! Baut das mal in jeden Satz ein!</p>
<p>Immer wieder ein Quell der Irritation sind automatische Ansagen. Die sagen mir, wenn mein Anruf im Moment nicht entgegengenommen werden kann: „Zurzeit sind leider alle Mitarbeiter besetzt.“ Um Himmels Willen! Wer sitzt bloß drauf? Eines Tages lag mein DSL-Anschluss brach, der Telekommunikationsanbieter sollte helfen. Nachdem mich eine säuselnde automatische Stimme durch ein komplexes Anruferleitmenü geführt hatte („Bei Störungen Ihres Internetzugangs wählen Sie bitte die Zwei …“), wurde ich in der Warteschleife informiert: „Hilfe finden Sie auch im Internet unter www…“ Das wirkte zynisch auf mich.</p>
<p>Hin und wieder ist man so freundlich, von sich aus bei mir anzurufen. Zum Beispiel, um mir Angebote zu unterbreiten, vorzugsweise während der Arbeitszeit. Neulich durfte ich dem Sermon eines Anrufers lauschen, der beauftragt war, mich mit spannenden Produktinformationen zu versorgen. Weil ich ein grundsätzlich freundlicher Mensch bin, würge ich Anrufer selten sofort ab. Also hörte ich eine Weile zu, ungeachtet der Aufgabe, in die ich bis vor einer Sekunde noch vertieft gewesen war. „Vielleicht wussten Sie schon, dass unser Unternehmen neuerdings eine Kooperation mit … und Sie als langjährige Kundin … und deshalb würde ich Ihnen gerne erklären …“ Das dauerte mir zu lang. Trotz meiner guten Kinderstube unterbrach ich den Sprechenden, verwies auf die Tageszeit – eine übliche Bürostunde – und bat darum, einfach zu verraten, was er mir anbieten wolle. Seine überraschend ehrliche Reaktion: „Nein. So arbeiten wir nicht.“ Quod erad demonstrandum.</p>
<p>Vielleicht muss ich eine Weile in einem australischen Abwassersystem verbringen, um mein Telefon wieder lieb zu haben. Uneingeschränkt.</p>
<p><em>Veröffentlicht im <a href="http://suedwestfalenmanager.de/" target="_blank">SÜDWESTFALEN MANAGER</a> (Ausgabe November/Dezember 2010) unter der Rubrik „Parallelwelten“.</em></p>
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		<title>Müde Manager</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Oct 2010 07:56:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Manager]]></category>
		<category><![CDATA[Work-Life-Balance]]></category>

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		<description><![CDATA[In japanischen Unternehmen ist es üblich, dass Chefs sich in Sitzungen schlafend stellen. Damit wollen sie ihren Angestellten die Möglichkeit geben, offener zu sprechen. Wenn diese Information inzwischen bis in die Rubrik „Wissenswertes aus aller Welt“ deutscher Tageszeitungen vorgedrungen ist, ist wohl anzunehmen, dass der japanische Durchschnittsuntergebene den Trick auch schon längst begriffen hat. Wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In japanischen Unternehmen ist es üblich, dass Chefs sich in Sitzungen schlafend stellen. Damit wollen sie ihren Angestellten die Möglichkeit geben, offener zu sprechen. Wenn diese Information inzwischen bis in die Rubrik „Wissenswertes aus aller Welt“ deutscher Tageszeitungen vorgedrungen ist, ist wohl anzunehmen, dass der japanische Durchschnittsuntergebene den Trick auch schon längst begriffen hat. Wie das wohl aussieht in diesen Sitzungen? Der Chef hat die Augen geschlossen. Sofern er in seiner schauspielerisch ambitionierten Jugend mal Erfahrungen an einer Laienbühne gesammelt hat, wird er in seine Darstellung hin und wieder einen hörbaren Schnarcher einbauen. Keinen Anwesenden im Raum kann er damit täuschen; die Schlafnummer dürfte dort ein so alter Hut sein wie verklausulierte Beurteilungen in Arbeitszeugnissen hierzulande: Man tut, als seien die Codes geheim, aber jeder kennt sie oder googelt notfalls. Also befinden sich im Raum eine schauspielernde Führungskraft und lauter Angestellte mit Durchblick. Nun dürfte dem Chef inzwischen klar sein, was den Mitarbeitern klar ist: alles nur gespielt. Ist er clever, nutzt er seinen Wissensvorsprung. Für ein echtes Nickerchen nämlich. Kann ihn ja keiner durchschauen, schlimmstenfalls wird er für sein schauspielerisches Talent bewundert, wenn ihm die Stirn auf die Tischplatte knallt.</p>
<p>Sofern die Arbeitsbelastung einer japanischen Führungskraft sich in etwa mit der seiner Kollegen in Deutschland vergleichen lässt, wäre solch eine vorgetäuschte Vortäuschung das Klügste, was er tun könnte: Einer Studie aus dem Jahr 2008 zufolge arbeiteten vor zwei Jahren vier Fünftel aller deutschen Manager mehr als 50 Stunden in der Woche. Steigt das Gehalt, dann auch die Belastung – wer mehr als 200.000 Euro im Jahr verdient, arbeitet mit hoher Wahrscheinlichkeit regelmäßig sogar 70 Stunden.</p>
<p>Powernapping in Meetings ist da gar nicht mal solch eine schlechte Idee: „Nur wer arbeitet, macht auch Fehler“, heißt ein freundliches Sprichwort, mit dem man Kollegen über Patzer hinwegzutrösten versucht. In diesem geflügelten Wort liegt allerdings eine noch tiefere Wahrheit: Wer sehr viel arbeitet, macht auch sehr viele Fehler. Irgendwann ist einfach Schluss mit der Konzentration. In Bauberufen zum Beispiel steigt das Unfallrisiko bereits ab der achten Arbeitsstunde exponentiell. Die besten Urteile trifft man nicht unbedingt am Ende eines Vierzehn-Stunden-Tages. (Wenn es allerdings gar nicht anders geht, lassen sich die Zweifel an der Richtigkeit der eigenen Wahl durch einfaches Händewaschen nach der Entscheidung verringern. Das hat eine Studie der University of Michigan ergeben. In den Tests ging es vorrangig um die Auswahl von Lieblings-CDs und Marmeladensorten. Und was dort funktioniert hat, könnte auch nach einer beschlossenen Firmenfusion klappen. Muss nicht. Könnte aber.)</p>
<p>Übrigens stellen viele Führungskräfte ihre Arbeitsbelastung keinesfalls infrage. 2008 empfanden 37 Prozent der von Kienbaum und Harvard Businessmanager Befragten ihren zeitlichen Aufwand für den Job als „Herausforderung“, 44 Prozent hielten ihr Pensum für „normal“. Lediglich 19 Prozent bezeichneten ihre Arbeitsbelastung als „anstrengend“. Die waren vielleicht mal für ein Praktikum in Tokio und vermissen die Möglichkeiten der dortigen Sitzungen? Oder wünschen sich einfach mehr Life in ihrer Work-Work-Balance. Und das sollte ihnen gegönnt sein.</p>
<p><em>Veröffentlicht im <a href="http://suedwestfalenmanager.de/" target="_blank">SÜDWESTFALEN MANAGER</a> (Ausgabe Oktober 2010) unter der Rubrik „Parallelwelten“.</em></p>
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		<title>Fliegen und Siegen</title>
		<link>http://www.textsektor.de/blog/2010/09/1069/</link>
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		<pubDate>Mon, 06 Sep 2010 12:45:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[NRW-Tag]]></category>
		<category><![CDATA[Siegen]]></category>

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		<description><![CDATA[Haben Sie Ihren Sommerurlaub auch hinter sich gebracht? Und den Hochsommer dazu genutzt, um in ein noch wärmeres Gebiet zu verreisen? Sind Sie geflogen? Ich bin’s. Und habe mich bestimmt zum 20. Mal gefragt, warum an den Abflugterminals der Flughäfen fast immer Koffergeschäfte zu finden sind. Unterwäsche, Drogerieartikel, Bücher – alles nachvollziehbar, auch kurz vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Haben Sie Ihren Sommerurlaub auch hinter sich gebracht? Und den Hochsommer dazu genutzt, um in ein noch wärmeres Gebiet zu verreisen? Sind Sie geflogen? Ich bin’s. Und habe mich bestimmt zum 20. Mal gefragt, warum an den Abflugterminals der Flughäfen fast immer Koffergeschäfte zu finden sind. Unterwäsche, Drogerieartikel, Bücher – alles nachvollziehbar, auch kurz vor Abflug. Aber Koffer? Wer bemerkt denn erst in allerletzter Sekunde, dass ihm ein Koffer fehlt? Hatte derjenige Badehose und Wechselhemden als Bündel unterm Arm dabei und schlägt sich erleichtert vor den Kopf, wenn er das Geschäft sieht: „Ach richtig, da war doch noch was“?</p>
<p>Noch so eine frische Flughafenerfahrung: In den studentischen Jahren der individuellen Rucksacktouren starrte man eigentlich immer auf Tragflügel, weil man jung und agil genug für Notausgangsplätze wirkte, auf die man bekanntlich nur gesetzt wird, wenn man im Ernstfall seinen Mitreisenden helfen könnte. Oder zumindest clever genug aussieht, um die Luke aufzukriegen. Und dann kommt dieser erste Flug, nach dem alles anders ist. Im flüchtigen musternden Blick des Bodenpersonals ist deutlich ein Gedanke zu lesen: Gut möglich, dass da noch was Jüngeres und Agileres kommt, halten wir die Notausgangsplätze erst mal frei. (Das tut aber nur beim ersten Mal weh, später genießt man einfach den freieren Ausblick ohne Tragflügel.)</p>
<p>Nun ist es für viele wieder für eine Weile vorbei mit der Urlaubsroutine: mehr Essen, aber auch mehr Bewegung als im Arbeitsalltag, mehr Sonne, mehr Mückenstiche … Schön war’s, nicht wahr? Und nun – nix, auf das man sich freuen könnte bis zum Skiurlaub nach Silvester? Ach Quatsch! Südwestfalen wartet auf ein richtiges Groß-Event: Schon bald, nämlich vom 17. bis zum 19. September, findet der NRW-Tag statt, und zwar in jener südwestfälischen Stadt, die sich durch ihre Gastgeberrolle das „Was ist schlimmer als Verlieren?“-Image ein für allemal von der unterschätzten Backe wischen wird. Siegen steht in den Startlöchern. Hat nationale und lokale Promis eingeladen und ist schon ein bisschen aufgeregt, weil so viele Besucher erwartet werden. Die Aufmerksamkeit hat das Städtchen verdient – auch so eine Urlaubserfahrung: Dass der südeuropäische Gastgeber keine Ahnung hat, wo dieses Siegen liegt, ist ja noch nachvollziehbar, dass aber weder der nord- noch der süddeutsche Mittourist aus bevölkerungsreichen Großstädten je davon gehört haben, dass Siegen nicht nur ein substantiviertes Verb ist, ist ganz schön empörend. Aber passiert. Noch!</p>
<p>Für jene, denen Siegen und Siegener Eigenheiten ebenfalls fremd sind, wurde extra für den NRW-Tag die interaktive Plattform <a href="http://www.unser-siegen.de" target="_blank">www.unser-siegen.de</a> entwickelt, auf der Ansässige in 140-Zeichen-Kurzerklärungen ihre Stadt beschreiben (und dabei gewinnen können, nur mal als Tipp) und Nicht-Ansässige herausfinden, was zum Beispiel <a href='http://twick.it/de/Durjenannersoppe' target='_blank' rel='glossary' title='Beliebte Samstagmittagspeise, die einst ausländische Besucher zu der Bemerkung: "Darin fehlt nur noch der Pudding" inspirierte.' class='wp_twickit_link' id='dummy0.09826100 1328659434779'>Durjenannersoppe</a>
                            <script type="text/javascript">
                            wpTwickitLinkInit("dummy0.09826100 1328659434779", "<a href='http://twick.it/de/Durjenannersoppe' target='_blank' class='twick'>Durjenannersoppe</a><br />Beliebte Samstagmittagspeise, die einst ausländische Besucher zu der Bemerkung: &quot;Darin fehlt nur noch der Pudding&quot; inspirierte.<br />");
                            </script>
                         ist. (Ich weiß es auch erst seit Kurzem. Scheint nicht so schlimm zu sein.)</p>
<p>Und wenn der Trubel um den NRW-Tag vorbei ist, sinniere ich weiter darüber nach, warum ausgerechnet an dem einen Flughafen, an dem mein Koffer mal kaputtging, kein Geschäft für eine Ersatztasche zu finden war. Ist doch verrückt.</p>
<p><em>Veröffentlicht im <a href="http://suedwestfalenmanager.de/" target="_blank">SÜDWESTFALEN MANAGER</a> (Ausgabe September 2010) unter der Rubrik „Parallelwelten“.</em></p>
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		<title>Schweiß statt Fleiß</title>
		<link>http://www.textsektor.de/blog/2010/07/schweis-statt-fleis/</link>
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		<pubDate>Thu, 22 Jul 2010 07:43:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Hitze]]></category>
		<category><![CDATA[Südwestfalen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich denke gern an Polarfüchse. An Eisberge und -bären. An Nordpolexpeditionen. An Südpolforscher. An die Flugdrohnen, die im Siegener Ortsteil Sohlbach gebaut und mit deren Hilfe in der Antarktis die Pinguinbestände gezählt werden. Das gehört nämlich zu meiner Strategie, wenn die Büroluft im Sommer beginnt, dem Saharaklima zu ähneln. Ist ja klar: Zehn Monate lang [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich denke gern an Polarfüchse. An Eisberge und -bären. An Nordpolexpeditionen. An Südpolforscher. An die Flugdrohnen, <span id="more-1008"></span>die im Siegener Ortsteil Sohlbach gebaut und mit deren Hilfe in der Antarktis die Pinguinbestände gezählt werden. Das gehört nämlich zu meiner Strategie, wenn die Büroluft im Sommer beginnt, dem Saharaklima zu ähneln. Ist ja klar: Zehn Monate lang (das entspricht in etwa der Zeitspanne, die ein durchschnittlicher westfälischer Herbst dauert; andere Jahreszeiten fallen in dieser Gegend ja meist aus) jammert der Südwestfale über Regen, grauen Himmel und zu wenig Sonne. Dann kommt der Sommer, und ganz Deutschland fällt ein, dass Temperaturen über 30 Grad nicht eben der Motivation zu Denk- oder körperlicher Arbeit dienen. Und schon wird der südwestfälische Herbst wieder zurückgesehnt. Wobei es ja nicht so ist, als würden wir Jammerer mediterrane Sommertemperaturen nicht mögen: Am Pool, am Mittelmeer und in der Nähe eines Gartenschlauchs sind sie herzlich willkommen. Aber doch bitte nicht von Montag bis Freitag zwischen 9.00 und 17.00 Uhr!</p>
<p>Mit der Ich-denke-an-Pinguine-dann-wird-mir-kühler-Strategie rettet man sich im Schnitt gute 10 bis 20 Sekunden lang pro Stunde, in denen der Denker zwar weiterhin überhitzt, man aber ganz kurz mal nicht ganz so arg drunter leidet. Mehr Macht hat der Geist meist nicht über den Körper – hätte er mehr, wäre <!--more-->die Überwindung des Schweinehunds in Bezug auf Mittagspausensport, Diätplan und kultureller Weiterbildung nach Feierabend ja kein Thema mehr.</p>
<p>Ganz Deutschland versucht Sommertag für Sommertag, sich den Arbeitsalltag erträglich zu machen. Ventilatoren finden hohen Absatz, wälzen im Prinzip aber nur die warmen Luftmassen von einer Seite des Raums auf die andere. Gleichzeitig treibt das elektrische Surren gewissenhaft in den Wahnsinn. Ventilatoren nutzen eigentlich überhaupt nichts, aber das zuzugeben, würde heißen, auf einen Placebo weniger zu hoffen. Also laufen sie munter weiter.</p>
<p>Findige Männer greifen lieber zur Eiskrawatte: Den Binder nässen, in die Tiefkühltruhe legen, nach einer knappen Stunde wieder umlegen. Klar, der Stoff wird natürlich langsam tauen, die Tropfen landen in sitzenden Berufen ungünstigerweise mitten im Schritt. Kann zu Missverständnissen führen. Schlipsträger mit Mut zum Risiko und ohne Angst vor entsetzten Blicken lassen sich davon nicht schrecken.</p>
<p>Flip-Flops, Muskelshirts, Trägertops, Bikinis – alles, was richtig luftig ist, ist meist verboten. Dankenswerterweise. Das ist zwar schade für den, der unter der Hitze leidet, schont aber die, denen der Anblick von zu viel nackter Haut erspart bleibt. (Sommerregel Nummer eins: Wer nicht bauchfrei ist, sollte auch nicht bauchfrei tragen. Das gilt übrigens für beide Geschlechter.) Wer viel sitzt, hat aber vielleicht wenigstens eine Wanne mit Eiswasser unter dem Tisch, in die er seine Füße tunkt (Schuhe und Socken hat er im Idealfall vorher abgelegt). Besonders hilfreich ist die Kühle an den Füßen in Kombination mit einem kalten Handtuch auf dem Kopf. Videokonferenzen sind dann allerdings tabu. Kundenverkehr grundsätzlich auch.</p>
<p>Ein Trost bleibt uns hitzegeplagten Beiträgern zum Bruttosozialprodukt: Der nächste südwestfälische Herbst kommt gewiss. Meist schon im August.</p>
<p><em>Veröffentlicht im <a href="http://suedwestfalenmanager.de/" target="_blank">SÜDWESTFALEN MANAGER</a> (Ausgabe Juli/August 2010) unter der Rubrik „Parallelwelten“.</em></p>
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