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“Die wissen so was!”

Samstagmorgen in Eitorf im Rhein-Sieg-Kreis.

Ich bin mit meinem neuen Fahrrad in Siegen in den Zug gestiegen, um von Eitorf aus die Sieg entlang Richtung Köln zu radeln, etwa 43 Kilometer, ein Halbtagesausflug. In Eitorf frage ich am Bahnhof eine Passantin, wie ich auf direktem Weg an die Sieg komme.

“Welche Sieg meinen Sie denn?”

“?!?”

“Ja, hier, Sieg – welche denn?”

“Na ja, die Sieg, die der Fluss ist …” (Irritierte Antworten waren nie meine Stärke beim eloquenten Ausformulieren.)

“Aber ich weiß doch nicht, in welche Richtung Sie wollen!”

“Nun ja, die Richtung finde ich dann; wenn Sie mir nur vielleicht sagen könnten, wo der Fluss ist …?”

“Die eine Richtung oder die andere?!”

“Richtung Köln, gern.”

Sie deutet anklagend auf mein Fahrrad: “Sie wollen doch wohl nicht mit dem Fahrrad nach Köln!”

Ich bin mir in diesem Moment sicher, dass es unmoralisch wäre, mit einem Fahrrad in eine Stadt zu fahren, ganz speziell Köln, und beschließe deshalb instinktiv und schuldbewusst, mein Vorhaben zu leugnen: “Nein, nein! Aber Richtung Köln wäre halt gut …”

“Also an die Sieg wollen Sie?”

“Ja, das wäre toll.”

“Ja, das weiß ich doch auch nicht! Aber fahren Sie mal zum Imbiss Harmonie, die wissen so was!”

“Super Tipp, danke schön!”

Die Sieg lag 40 Meter Luftlinie rechts von uns. Den Imbiss Harmonie dagegen habe ich leider nicht gefunden.

Haltungsnote: exzellent!

Um die Konzentration des Meisters nicht zu stören, hielt die Fotografin einen respektvollen Abstand ein. Ein Klick aufs Bild vergrößert die Ansicht.

Souveräner Sieger im Wett-Pfahlsitzen, Pfingsten 2011, Frankfurter Günthersburgpark.

Die Masse war begeistert, der gelassene Champion knabberte derweil im Blitzlichtgewitter nonchalant Nüsschen.

Gemüter voller Sonne

Sie heißen Svenja, Jan-Hendrik oder Kim. Bei ihrer Vorstellung versichern sie mit Engelsgesicht, unheimlich engagiert und interessiert zu sein. Der Inbrunst ihrer Unschuldsminen glaubt man gern – bis sie ihre vier Wochen bis drei Monate gähnend im Unternehmen absitzen und jedes motivierende „Hast du noch eine Frage?“ mit einem schulterzuckenden „Weiß nicht“ beantworten. (Nicht so Sascha, der zeigt nach einer mehrstündigen Einführung prägnant-gezielte Wissbegierde: „Wie is‘n das hier eigentlich mit Zigarettenpausen?“)

Ein junges Mädchen steht im Eingangsbereich eines Unternehmens und trifft dort auf die zwei Geschäftsführer. Es hält ein Dokument hoch und rattert herunter, sie brauche eine Bestätigung für ihre Schule, dass sie im nächsten Monat hier ihr Praktikum beginnen würde. Die Bescheinigung wird unterschrieben, denn die Geschäftsführerin denkt sich, das werde die Schülerin wohl mit ihrem Partner abgemacht haben. Der Geschäftsführer seinerseits nimmt an, seine Partnerin kenne das Mädchen. Aber herrje: „Wer war denn das eben?“ – „Ja, weißt du das denn nicht?“ Hat die Kleine Chuzpe oder Naivität bewiesen? Die Welt hat jedenfalls eine neue Schülerpraktikantin.

Praktikanten: Es gibt die begabten. Es gibt die eher unauffälligen. Und es gibt Marvin. Er ist ein Student mit sonnigem Gemüt. Deshalb kostet es kaum Überwindung, ihn an einem Kundengespräch teilnehmen zu lassen. (Bei Kim war das anders; Kim bettete zu gern ihren Kopf auf die Tischplatte. Das sah nie sonnig aus.) Nachdem Marvin der Verhandlung eine Weile gelauscht hat, steht er auf, tritt hinter den Abteilungsleiter, legt ihm anerkennend eine Hand auf die Schulter und lässt ihn strahlend wissen: „Das haben Sie jetzt wirklich richtig gut gemacht!“ Lächelt den Kunden an und setzt sich wieder.

Kevin hospitiert in der Marketingabteilung eines Mittelständlers; um 16.30 Uhr hat er Büroschluss. Am ersten Tag aber fährt er den Rechner, an den er gesetzt worden ist, bereits um 16.10 Uhr herunter. Wieso er so früh schon den Ausschalter betätige, fragt man ihn – und er antwortet in großem Ernst: Das Anziehen der Jacke, nicht zu vergessen der Weg zum Ausgang dauere ja auch seine Zeit.

Leon wurde mal im Auto vergessen, eineinhalb Stunden lang. Das mache ihm nichts aus, sagte er danach, da sei es nicht langweiliger gewesen als sonst auch. Leon verbrachte daraufhin die meiste Zeit seines Praktikums auf dem Beifahrersitz des stehenden Dienstwagens. Carmen tut sich nicht allzu sehr hervor, aber eines, das kann sie gut: Sie verabschiedet Kunden. Unheimlich freundlich. Leider grundsätzlich fünf Minuten früher als ihr Chef; das mit dem Timing kriegt sie in den nächsten Wochen nicht mehr besser hin.

Ich hab auch mal ein Praktikum gemacht, im zarten Alter von 16 – Zeitungsredaktion. Wurde zu einem Termin geschickt, bat dort mit hochrotem Kopf um ein Telefon; versuchte, Seriosität zu heucheln: „Entschuldigen Sie mich bitte, muss ein wichtiges Gespräch mit dem Ressortleiter führen!“ Betete darum, dass niemand meinen telefonischen Hilferuf hören könnte: „Mein Gott, wo an dieser verfluchten Kamera ist denn bloß der Auslöser!?“ Sagen wir, wie es ist: Mit Praktikanten hat man selten weniger Arbeit, aber manchmal mehr Spaß!

Veröffentlicht im SÜDWESTFALEN MANAGER (Ausgabe Mai 2011) unter der Rubrik „Parallelwelten“.

Wasndas?

Das ist:

a) Ein äußerst dicker Schmöker?

b) Eine extrem coole Laptoptasche?

c) Ein aus ungünstiger Perspektive wirklich schlecht fotografierter Gegenstand?

Seit die Besitzerin dieses Schmuckstücks regelmäßig immer mal wieder hier im Büro vorbeischaut, verstehe ich die tiefere Bedeutung des Wortes “Habseligkeiten” zunehmend besser kennen. Manche Dinge zu haben, kann echt selig machen. :-)

Mhhhhhhmmmm …

Wenn mal jemand keine Ahnung hat, womit man mir eine Freude machen könnte (Prag-Nostalgie; ich aß zusammengerechnet etwa 53 Kilo Honigkuchen in den 6 Monaten, die ich in der schönsten Stadt Europas verbrachte) – DAMIT geht das!

Zeitmanagement. Kreativ.

Wie man seinen Tag auf eine Weise strukturiert, dass ein Geschwindigkeitsrausch erzeugender Workflow entsteht?

Vorschlag 1: “Hier, sag ich dir, nämlich so: Mit ner fiesen Aufgabe anfangen, dann ist die schon mal weg und alles danach wirkt fast wie Freizeit.”

Vorschlag 2: “Quatsch, nee, damit nimmt man sich ja jede Motivation und spielt den Tag lang Angry Birds, um sich vorm Anfangen zu drücken! Fang mit was Schönem an, dann biste schon drin im Arbeitsmodus, wenn das Fiese ansteht!” Zeitmanagement. Kreativ. (weiterlesen »)

Not Just Nearly Textsektor, But Really Textsektor!

Immer wieder ein großer Spaß: Generatoren, die die Arbeit von Werbetextern imitieren. Heute: The Advertising Slogan Generator.

IT MAKES YOUR TEXTSEKTOR SMACK!

Hübsch hat er das gesagt, oder?

Ach, da fällt mir ein – ich hab schon viel zu lange nicht mehr mit dem PR-Generator rumgespielt …

Ein Traum …

… aus Funktionalität und Hässlichkeit:

Mein erster Wanderschuh ever. Ich bin gerührt und abgestoßen zugleich!

Attention, attention – Rothaargebirge, I’m coming!

Südwestfalen lieben

Das Internet ist superklug. Und Google ist so etwas wie die allwissende Müllhalde der virtuellen Welt. Weil das so ist, kann man dort alles erfragen und absolut jede Wahrheit ans Licht holen. Hat man das einmal erkannt, lassen Recherchen überhaupt nur einen einzigen Rückschluss zu: Wir sollten unsere Region noch viel mehr lieben, als wir es eh schon tun. Wirklich! Passen Sie mal auf:

Wenn Sie bei Google „Südwestfalen“ und „schön“ eingeben, kriegen Sie 372.000 Ergebnisse. Versuchen Sie es mal mit „Südwestfalen“ in Kombination mit „hässlich“: bloß 10.100 Treffer. Sehen Sie! Aber das ist noch nicht alles: „Südwestfalen“ plus „nette Leute“: 6.760 Ergebnisse. „Südwestfalen“ plus „alles Blödköpfe“: gerade mal fünf Treffer. Hallo? Ist das eindeutig oder eindeutig? Südwestfalen lieben (weiterlesen »)

Nicht geschimpft ist Lob genug!

Zugezogenen fallen manchmal regionale Muster ihrer neuen Heimat auf, die den Einheimischen gar nicht bewusst sind. Zum Beispiel die Urban Legends, auf die man immer wieder trifft – auf Partys, beim Schwatz mit den Nachbarn, beim Small Talk mit dem Kunden. Ein Beispiel: Im Großraum Südwestfalen lerne ich oft Menschen kennen, die während ihrer Ausbildung vor 20 oder 30 Jahren einen bestimmten Typ Chef hatten – oder damals garantiert jemanden kannten, der unter diesem Unternehmer arbeitete. Oder zumindest seinen Cousin oder dessen Nachbarn.

Die Legende geht so: Nicht geschimpft ist Lob genug! (weiterlesen »)