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	<title>Textsektor-Blog &#187; Parallelwelten</title>
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		<title>Schweiß statt Fleiß</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Jul 2010 07:43:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Hitze]]></category>
		<category><![CDATA[Südwestfalen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich denke gern an Polarfüchse. An Eisberge und -bären. An Nordpolexpeditionen. An Südpolforscher. An die Flugdrohnen, die im Siegener Ortsteil Sohlbach gebaut und mit deren Hilfe in der Antarktis die Pinguinbestände gezählt werden. Das gehört nämlich zu meiner Strategie, wenn die Büroluft im Sommer beginnt, dem Saharaklima zu ähneln. Ist ja klar: Zehn Monate lang [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich denke gern an Polarfüchse. An Eisberge und -bären. An Nordpolexpeditionen. An Südpolforscher. An die Flugdrohnen, <span id="more-1008"></span>die im Siegener Ortsteil Sohlbach gebaut und mit deren Hilfe in der Antarktis die Pinguinbestände gezählt werden. Das gehört nämlich zu meiner Strategie, wenn die Büroluft im Sommer beginnt, dem Saharaklima zu ähneln. Ist ja klar: Zehn Monate lang (das entspricht in etwa der Zeitspanne, die ein durchschnittlicher westfälischer Herbst dauert; andere Jahreszeiten fallen in dieser Gegend ja meist aus) jammert der Südwestfale über Regen, grauen Himmel und zu wenig Sonne. Dann kommt der Sommer, und ganz Deutschland fällt ein, dass Temperaturen über 30 Grad nicht eben der Motivation zu Denk- oder körperlicher Arbeit dienen. Und schon wird der südwestfälische Herbst wieder zurückgesehnt. Wobei es ja nicht so ist, als würden wir Jammerer mediterrane Sommertemperaturen nicht mögen: Am Pool, am Mittelmeer und in der Nähe eines Gartenschlauchs sind sie herzlich willkommen. Aber doch bitte nicht von Montag bis Freitag zwischen 9.00 und 17.00 Uhr!</p>
<p>Mit der Ich-denke-an-Pinguine-dann-wird-mir-kühler-Strategie rettet man sich im Schnitt gute 10 bis 20 Sekunden lang pro Stunde, in denen der Denker zwar weiterhin überhitzt, man aber ganz kurz mal nicht ganz so arg drunter leidet. Mehr Macht hat der Geist meist nicht über den Körper – hätte er mehr, wäre <!--more-->die Überwindung des Schweinehunds in Bezug auf Mittagspausensport, Diätplan und kultureller Weiterbildung nach Feierabend ja kein Thema mehr.</p>
<p>Ganz Deutschland versucht Sommertag für Sommertag, sich den Arbeitsalltag erträglich zu machen. Ventilatoren finden hohen Absatz, wälzen im Prinzip aber nur die warmen Luftmassen von einer Seite des Raums auf die andere. Gleichzeitig treibt das elektrische Surren gewissenhaft in den Wahnsinn. Ventilatoren nutzen eigentlich überhaupt nichts, aber das zuzugeben, würde heißen, auf einen Placebo weniger zu hoffen. Also laufen sie munter weiter.</p>
<p>Findige Männer greifen lieber zur Eiskrawatte: Den Binder nässen, in die Tiefkühltruhe legen, nach einer knappen Stunde wieder umlegen. Klar, der Stoff wird natürlich langsam tauen, die Tropfen landen in sitzenden Berufen ungünstigerweise mitten im Schritt. Kann zu Missverständnissen führen. Schlipsträger mit Mut zum Risiko und ohne Angst vor entsetzten Blicken lassen sich davon nicht schrecken.</p>
<p>Flip-Flops, Muskelshirts, Trägertops, Bikinis – alles, was richtig luftig ist, ist meist verboten. Dankenswerterweise. Das ist zwar schade für den, der unter der Hitze leidet, schont aber die, denen der Anblick von zu viel nackter Haut erspart bleibt. (Sommerregel Nummer eins: Wer nicht bauchfrei ist, sollte auch nicht bauchfrei tragen. Das gilt übrigens für beide Geschlechter.) Wer viel sitzt, hat aber vielleicht wenigstens eine Wanne mit Eiswasser unter dem Tisch, in die er seine Füße tunkt (Schuhe und Socken hat er im Idealfall vorher abgelegt). Besonders hilfreich ist die Kühle an den Füßen in Kombination mit einem kalten Handtuch auf dem Kopf. Videokonferenzen sind dann allerdings tabu. Kundenverkehr grundsätzlich auch.</p>
<p>Ein Trost bleibt uns hitzegeplagten Beiträgern zum Bruttosozialprodukt: Der nächste südwestfälische Herbst kommt gewiss. Meist schon im August.</p>
<p><em>Veröffentlicht im <a href="http://suedwestfalenmanager.de/" target="_blank">SÜDWESTFALEN MANAGER</a> (Ausgabe Juli/August 2010) unter der Rubrik „Parallelwelten“.</em></p>
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		<title>Selbstbewusst schweigend</title>
		<link>http://www.textsektor.de/blog/2010/04/selbstbewusst-schweigend/</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Apr 2010 09:20:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Südwestfalen]]></category>
		<category><![CDATA[Weltmarktführer]]></category>

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		<description><![CDATA[Manche Erfindungen sind so wunderbar, dass sie einen Siegeszug um die ganze Welt antreten. Zum Beispiel Naschzeug: Ein schwedischer Süßwarenhersteller war selbst so begeistert von seinen Produkten, dass er sich 1973 in einem Sarg aus reiner Schokolade bestatten ließ. Oder die Methode, eine Halbglatze mit eigenem Resthaar zu vertuschen und sogar einen Namen hat: Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manche Erfindungen sind so wunderbar, dass sie einen Siegeszug um die ganze Welt antreten. Zum Beispiel Naschzeug: Ein schwedischer Süßwarenhersteller war selbst so begeistert von seinen Produkten, dass er sich 1973 in einem Sarg aus reiner Schokolade bestatten ließ. Oder die Methode, eine Halbglatze mit eigenem Resthaar zu vertuschen und sogar einen Namen hat: Die perfekte Frisur zum Überdecken heißt „Comb Over“ und wurde von Frank J. Smith  in den USA zum Patent angemeldet. Völlig unverzichtbar heute auch der Dosenöffner; das war er aber wohl nicht immer, denn er hat erst 48 Jahre nach der Konservendose das Licht der Welt erblickt.</p>
<p>Man braucht seinen Blick gar nicht sehr in die Ferne schweifen lassen, um die Quelle weltweit erfolgreicher Ideen zu finden. Einige davon werden Tag für Tag direkt vor unserer südwestfälischen Haustür produziert. Bloß wissen das nicht viele.<span id="more-914"></span></p>
<p>Machen wir uns nichts vor: Restdeutschland hat ein paar unfaire Vorurteile gegen Regionen wie unsere, und zwar lediglich deshalb, weil der Baumbestand mancherorts höher ist als die Ampeldichte. Das lassen Großstädter nämlich nur der Toskana durchgehen; hier ist das angeblich kein Symptom für Lebensqualität, sondern für Provinz. Was die Südwestfalen aber ungemein sympathisch macht: Sie pfeifen drauf. Überhören alles und machen weiter wie bisher. Und das bedeutet: Sie bleiben ungerührt und dauerhaft auf wirtschaftlichen Weltmarkt-Spitzenpositionen, die sie sowieso schon längst besetzen.</p>
<p>Südwestfalen ist eben nicht nur die Gegend mit dem vielen Wald und den Sturköppen – sondern Sammelstelle für Weltmarktführer. Übliches Überraschungsmoment eines Zugezogenen: Er spaziert durch Feld, Wald und Wiese, sieht hinter der dritten Kuhweide links eine Produktionsstätte mit emsig werkelnden Mitarbeitern in Blaumännern und jemand raunt ihm zu: „Die liefern ihr Zeug bis nach Taipeh – auf dem Weltmarkt sind die völlig unschlagbar.“ Das passiert in Südwestfalen nicht alle Jubeljahre einmal, das passiert, sobald man das Haus verlässt. Oder, wie ein Ureinwohner der Weltmarktführerregion es mal formulierte (hier zwecks Veröffentlichung etwas salonfähiger ausgedrückt): „Bei uns kannst du hinter keinem Busch austreten gehen, ohne dass dort ein Hidden Champion sitzt.“</p>
<p>Der Südwestfale baut im Allgemeinen keine Düsenjets, die sich über den Globus verbreiten, aber er ist ein Top-Zulieferer, wie die Welt ihn sich wünscht. Sonst gäbe es seine Produkte ja nicht kreuz und quer über den Erdball verteilt, wo sie dann recht unauffällig, aber selbstbewusst schweigend das Qualitätsmerkmal „Made in Südwestfalen“ tragen. Die Frage ist bloß: Warum gibt der südwestfälische Hidden Champion nicht viel mehr an? Ist er zu zurückhaltend? Zu wenig selbstbewusst? Ist ihm nicht klar, was er vorzuweisen hat? Ich glaube an das alles nicht. Er ist pragmatisch. Was soll er große Worte machen? Er ist doch schon an der Spitze, wo soll er denn noch hin?</p>
<p>Apropos innovative Ideen: Einige unbekannte hätten das Zeug dazu gehabt, die Welt oder mindestens Heerscharen von Frauenherzen zu erobern. Diese zum Beispiel: Im antiken Griechenland wurde das Alter einer Frau erst von ihrer Hochzeit an gezählt. Hach!</p>
<p><em>Veröffentlicht im <a href="http://suedwestfalenmanager.de/" target="_blank">SÜDWESTFALEN MANAGER</a> (Ausgabe April 2010) unter der Rubrik „Parallelwelten“.</em></p>
<p><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/941e474039b1419481082267c96ea66b" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Karnevalskonjunktur</title>
		<link>http://www.textsektor.de/blog/2010/02/karnevalskonjunktur/</link>
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		<pubDate>Sun, 14 Feb 2010 14:44:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Karneval]]></category>

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		<description><![CDATA[Frühe Kindheitserinnerung: Ein rheinländischer Deutschlehrer steht am Karnevalsdienstag vor einer ostwestfälischen Schulklasse. Er sieht verzweifelt aus; trotz knallroter Clownsnase ist er wenig amüsiert. Eindringlich appelliert er an seine Schüler: „Karneval ist ein Lebensgefühl. Nun guckt doch bitte nicht alle so ernst!“ Er bläst ermutigend in eine Tröte – und schaut weiterhin in 20 leere, verständnislose [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Frühe Kindheitserinnerung: Ein rheinländischer Deutschlehrer steht am Karnevalsdienstag vor einer ostwestfälischen Schulklasse. Er sieht verzweifelt aus; trotz knallroter Clownsnase ist er wenig amüsiert. Eindringlich appelliert er an seine Schüler: „Karneval ist ein Lebensgefühl. Nun guckt doch bitte nicht alle so ernst!“ Er bläst ermutigend in eine Tröte – und schaut weiterhin in 20 leere, verständnislose Kindergesichter. Manche von ihnen tragen ein graues Papphütchen, andere lustlos aus Aluminiumfolie geformte Alien-Antennen im Haar. Die Klasse wirkt genauso unglücklich wie ihr Lehrer. Ein unbeteiligter Beobachter muss sich fragen: Was hat dieser arme Rheinländer in solch feindlicher Umgebung verloren? Strafversetzung?<span id="more-790"></span> „Westfalen können einfach nicht feiern!“, bricht es schließlich aus ihm heraus. „Ihr Westfalen geht doch alle zum Lachen in den Keller!“<br />
„Westfalen hassen Karneval“, ziehen die Knirpse als Lehre aus dieser vermurksten Klassenfaschingsparty. Jahrelang werden sie das, was ihr Lehrer ihnen mal entgegenrief, herumerzählen und selber glauben. Werden sagen, dass es einen entscheidenden Unterschied zwischen Rheinländern und Westfalen gebe: Rheinländer seien die, die in Kindertröten pusten. Und Westfalen eben die anderen.<br />
Dieser Überzeugung werden sie so lange sein, bis sie fremde Westfalen treffen – die aus dem Süden zum Beispiel. Südwestfalen hassen Karneval nämlich nicht. Sie feiern ihn sogar. Arnsberger, Attendorner und Hagener mit Umzügen, Siegener eher, indem sie die Regionalzüge nach Köln verstopfen und dort selber mal tröten. Entweder, im südlichen Westfalen ist alles anders als im Osten der Region. Oder seit Kindertagen ist irgendein Wandel geschehen.<br />
Vielleicht ist ein unschlagbares Argument zum sonst doch so sturen Westfalen vorgedrungen: Karneval ist ein nicht unbeträchtlicher Wirtschaftsfaktor! Arztpraxen boomen dank Kopfverletzungen durch Kamelle-Wurfgeschosse. Schlipsfabrikanten und Herrenausstattern läuft das Wasser im Munde zusammen, wenn sie das Wort „Weiberfastnacht“ nur hören. Wischmopphersteller profitieren als Trittbrettfahrer vom konjunkturellen Überglück der Gastwirte, weil’s an den tollen Tagen immer was zu wischen gibt. Und Fernsehsender sparen was für schlechte Zeiten, weil es billiger ist, eine Kamera auf einen Umzugswagen zu halten, der mit drei Kilometern in der Stunde durch eine frierende Menschenmenge schleicht, als Schauspiellaien mit je einem Hunderter pro Nase dazu zu animieren, in Gerichtsshows aufzutreten.<br />
Wenn die kolportierten Gerüchte stimmen und tatsächlich ein US-amerikanischer Getränkehersteller den rot-weiß gewandeten Weihnachtsmann nach Deutschland importiert hat, wenn wirklich eine geheime Absprache von Krawattenfabrikanten und findigen Barkeepern den Karneval sogar nach Westfalen holen konnte: Dann sollten wir uns auf so einiges gefasst machen, was sich der Gemüsehandel möglicherweise ausdenkt, um Rekordverkaufszahlen im Kürbisregal zu erzielen. Wer vor ein paar Jahrzehnten noch gesagt hätte: „Ehe ein Westfale ausgelassen zu den Höhnern mitsingt, wird Halloween in NRW gesetzlicher Feiertag!“, der hält sich heute lieber zurück: „Ich hab drei Haare auf der Brust, ich bin ein Bär!“ ist inzwischen über den Rhein geschwappt.</p>
<p><em>Veröffentlicht im <a href="http://suedwestfalenmanager.de/" target="_blank">SÜDWESTFALEN MANAGER</a> (Ausgabe Februar 2010) unter der Rubrik „Parallelwelten“.</em></p>
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		<title>Neues Jahr, neues Glück</title>
		<link>http://www.textsektor.de/blog/2010/01/neues-jahr-neues-gluck/</link>
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		<pubDate>Fri, 08 Jan 2010 10:49:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Ungelogen.]]></category>
		<category><![CDATA[Vorsätze]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich suche Wege, gute Vorsätze auch umzusetzen. Und arbeite lieber an den Vorsätzen als an meiner Willensstärke. Wenn man unsere Gute-Vorsatz-Kultur betrachtet, dann fällt auf, dass die Liste der „wirklich absolut ernstgemeinten“ Zielsetzungen zwar bis zum Silvesterabend oft lang geraten ist, die Bilanz der umgesetzten Vorhaben aber ein Jahr später in vielen Fällen nur ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ich suche Wege, gute Vorsätze auch umzusetzen. Und arbeite lieber an den Vorsätzen als an meiner Willensstärke.</em></p>
<p>Wenn man unsere Gute-Vorsatz-Kultur betrachtet, dann fällt auf, dass die Liste der „wirklich absolut ernstgemeinten“ Zielsetzungen zwar bis zum Silvesterabend oft lang geraten ist, die Bilanz der umgesetzten Vorhaben aber ein Jahr später in vielen Fällen nur ein verschämtes Kopfkratzen verdient. Als sei es keineswegs eine Frage des freien Willens, ob sich ein Plan in die Wirklichkeit überführen lässt, sondern eher eine Abhängigkeit von unbeeinflussbaren Schicksalsfügungen: Wem ein Hund zuläuft, der bewegt sich eben mehr als früher. Wen eine Rotweinallergie trifft, bei dem klappt es mit einem Mal mit dem verminderten Alkoholkonsum. Richtig stolz auf die eigene Disziplin machen diese ungeplanten Lebenswandel leider nicht.<br />
Zwei Alternativen gibt es aus diesem Dilemma: entweder die Sache mit den Vorsätzen gleich ganz lassen – oder nur noch solche in die Liste aufnehmen, deren Erfüllung nicht von vornherein völlig illusorisch wirkt. Wer sein Leben bislang gerne wenig zimperlich genossen und Fastfood, Weizenbier sowie Fernsehabende den Energydrinks im Fitnessstudio vorgezogen hat, wird sich nicht in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar in einen Aerobic-Jünger verwandeln. So hochprozentig ist kein Silvestersekt, um diese Tatsache zu verschleiern.<br />
Ich habe kürzlich eine Umfrage unter Kolleginnen durchgeführt, um herauszufinden, was auf ihren Vorsatz-Listen für 2010 ganz weit oben steht. Meine persönliche Lieblingsantwort: „Ich habe mich 2009 mal gefragt, ob ich auf dem Totenbett sagen würde: ‚Ach, hätte ich doch bloß noch viel mehr Zeit im Büro verbracht!‘ Ergo: Ich will eine ausgeglichenere Work-Life-Balance!“ Auf Platz 3 der Umfrageergebnisse schaffte es die Antwort „mehr Yoga“. (Ich sollte wohl betonen, dass nur Frauen geantwortet haben; ohne in Rollenstereotypen denken zu wollen, vermute ich, dass Einblicke in Männerpläne die Yoga-Platzierung gekippt hätten.) Platz 2 war noch eindeutiger: „mehr Geld verdienen“. (Hatte ich darauf hingewiesen, dass ich ausschließlich Selbstständige befragt habe? An dieser Stelle nicht unwichtig zu erwähnen, denn immerhin sind wir beim Thema „erfüllbare Vorsätze“ – und die Freien haben tatsächlich etwas mehr Spielraum zum Eigenes-Glückes-Schmied-Sein als die Bezieher von Monatsgehältern.)<br />
Absoluter Spitzenreiter mit sechs von sieben Befragten, die folgenden Vorsatz aus vollem Herzen aussprachen: „Ich will nicht mehr so viel Zeit im Internet verdaddeln! Wenigstens nicht während der Arbeitszeit …“ Auf Nachfrage wurde geantwortet: weniger MySpace, weniger Twitter, weniger Online-Shopping. Die siebte Befragte konnte aufs Nachhaken, ob sie denn nach eigenem Empfinden nicht zu viel Zeit auf Web-2.0-Plattformen verbringe, leider nicht antworten: Sie war mittlerweile zu sehr abgelenkt davon, Fotos auf Facebook hochzuladen und ihren Status zu aktualisieren. Außer Konkurrenz lief übrigens das Umfrageergebnis „seltener mein Essen direkt aus dem Kochtopf löffeln“. Das scheint aber ein eher individuelles Problem zu sein.<br />
Ich wünsche Ihnen einen fulminanten Start ins Jahr 2010. Lassen Sie sich von Vorsätzen nicht verrückt machen, aber versuchen Sie, den wichtigsten umzusetzen: möglichst häufig möglichst glücklich zu sein!</p>
<p><em>Veröffentlicht im <a href="http://suedwestfalenmanager.de/" target="_blank">SÜDWESTFALEN MANAGER</a> (Ausgabe Januar 2010) unter der Rubrik „Parallelwelten“.</em></p>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/d055bd58ac0543c3b2d76c702fcb775c" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Kurzsichtig im Sauerland</title>
		<link>http://www.textsektor.de/blog/2009/12/kurzsichtig-im-sauerland/</link>
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		<pubDate>Thu, 03 Dec 2009 18:45:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Unerhört.]]></category>
		<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>

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		<description><![CDATA[Verdammt! Das, was Nessy im Draußen-nur-Kännchen-Blog messerscharf analysiert, hätte eigentlich mir einfallen müssen. Für meine Südwestfalen-Kolumne &#8220;Parallelwelten&#8221;. Sie würde es merken, wenn ich&#8217;s ihr klaue, oder? Wie ich eingangs schon sagte: Verdammt!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Verdammt! Das, <a href="http://nessy.twoday.net/stories/6074984/" target="_blank">was Nessy im Draußen-nur-Kännchen-Blog</a> messerscharf analysiert, hätte eigentlich mir einfallen müssen. Für meine S<a href="http://textsektor.wordpress.com/tag/parallelwelten/" target="_blank">üdwestfalen-Kolumne &#8220;Parallelwelten&#8221;</a>.</p>
<p>Sie würde es merken, wenn ich&#8217;s ihr klaue, oder?</p>
<p>Wie ich eingangs schon sagte: Verdammt!</p>
]]></content:encoded>
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		<title>50 Minuten</title>
		<link>http://www.textsektor.de/blog/2009/11/50-minuten/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Nov 2009 17:35:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Ungelogen.]]></category>
		<category><![CDATA[Eurocity Siegen - Klagenfurt]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich scheue keinen Vergleich mit Großstädtern. Denn um Stadtpunks zu sehen, kann man ja schließlich reisen. Er kommt! Der Eurocity kommt nach Südwestfalen – und wird ab dem 13. Dezember Siegen mit Klagenfurt verbinden. Das bedeutet: Direktanschlüsse nach Frankfurt, Stuttgart und München. Klar, keine Rose ohne Dornen: Einmal am Tag hin, einmal am Tag zurück, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Ich scheue keinen Vergleich mit Großstädtern. Denn um Stadtpunks zu sehen, kann man ja schließlich reisen.</em></strong></p>
<p>Er kommt! Der Eurocity kommt nach Südwestfalen – und wird ab dem 13. Dezember Siegen mit Klagenfurt verbinden. Das bedeutet: Direktanschlüsse nach Frankfurt, Stuttgart und München. Klar, keine Rose ohne Dornen: Einmal am Tag hin, einmal am Tag zurück, mehr ist zunächst nicht drin. Ein bisschen ist das, als würde man einen Junkie grade nur mit genau so viel Stoff versorgen, dass er den Entzug knapp nicht schafft. Für jemanden, der mal in der Stadt mit dem größten Flughafen Deutschlands gelebt und sich jederzeit dank Fernverkehrszügen mit halb Europa verbunden gefühlt hat, passt dieser Vergleich ziemlich gut. Denn – Südwestfalen hat bislang ÖPNV-technisch gesehen fast nur eines: Linienbusse. Die fahren selten, niemals nachts und werden gelenkt von Busfahrern. Vor denen wiederum habe ich aufgrund traumatisierender Kindheitserlebnisse eine tief verwurzelte Angst. Ich denke heute noch, die schimpfen so mit mir wie damals, als ich sechs Jahre alt war. Im Eurocity werde ich nur Kontakt mit Schaffnern haben; Schaffner haben mich noch nie traumatisiert. Und vielleicht haben ja ein paar von ihnen diesen umwerfend charmanten Klagenfurter Akzent?<br />
So, Ihr Großstädter: Jetzt sind wir also bald noch enger mit der restlichen Welt verbunden – was Eure vermeintlich unaufholbaren Vorsprünge vor uns sogenannten Provinzlern immer weiter zusammenschmelzen lässt. Neulich sagte mir eine Münchnerin mit der häufigen, wenn nicht typischen Arroganz einer Weltstädterin: „Siegen? Wo liegt das denn? Klingt für mich nach einer Erfindung von Loriot. So wie Castrop-Rauxel. Solche Orte kann es doch gar nicht wirklich geben!“ Wie gut hat es mir getan, als ich dann in einem überregionalen Wirtschaftsmagazin ein Interview las, in dem ein sehr erfolgreicher Unternehmer sein Geheimnis verriet: Seine Standorte befinden sich überall dort, wo er das größte kreative Potenzial entdeckt. Und das ist zwar unter anderem, wen überrascht es, auch Berlin – aber, und jetzt kommt’s, ebenso die hessische Wetterau und das beschauliche Paderborn. Und warum funktioniert sein Unternehmen so hervorragend? Weil er den Fehler seiner arroganteren Geschäftsführerkollegen nicht macht: das innovative Potenzial derjenigen Menschen zu unterschätzen, die dieselbe Menge Zeit mit dem Warten auf den Linienbus verbringen, die Großstädter in der Schlange vor ihren angesagten Disco-Lounges stehen.</p>
<p>Apropos Zeit: Ich habe neulich ein paar Tage in Hamburg verbracht. Egal, wohin man dort möchte – Hauptbahnhof, die andere Seite der City, Spezialgeschäft in der Peripherie der Innenstadt –, der Hamburger rechnet immer mit etwa 50 Minuten, die er für den Weg brauchen wird, unabhängig vom Verkehrsmittel. Mal ehrlich: Egal, welches Ziel ein Südwestfale ansteuert – Flughafen, Oper, Uniklinik, richtige Stadtpunks, echte Feierabendverkehrskollapse –, in 50 Minuten hat auch er eine reelle Chance, dort anzukommen.<br />
Was mich betrifft, hadere ich nicht eine Minute länger mit dem Leben fernab meines geliebten Frankfurts, seitdem ich weiß, dass ich bald endlich wieder an ein Fernverkehrsnetz angeschlossen sein werde. Kommen wir doch einfach mal den Großstädtern entgegen: Die wussten bislang ja nicht so recht, wie sie uns erreichen sollten. Oder gar finden.</p>
<p><em>Veröffentlicht im <a href="http://suedwestfalenmanager.de/" target="_blank">SÜDWESTFALEN MANAGER</a> (Ausgabe November/Dezember 2009) unter der Rubrik „Parallelwelten“.</em></p>
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		<title>Achtung, Äpfel!</title>
		<link>http://www.textsektor.de/blog/2009/09/achtung-apfel/</link>
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		<pubDate>Thu, 17 Sep 2009 06:28:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Ungelogen.]]></category>
		<category><![CDATA[Dienstleistergattin]]></category>
		<category><![CDATA[Sauerland]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt Regionen, an die das Sauerland zunächst überhaupt nicht erinnert: Ägypten zum Beispiel. Keine Kamele, und statt „Jalla, jalla!“ (etwa „Auf, auf!“) eher „Sach den Blagen, se soll’n nich so’n Krach machen!“ Nein, das Sauerland ist nicht Ägypten. Wer in den Tourismushochburgen der Pharaonenheimat mal Erfahrung damit gemacht hat, in einem der unzähligen Souvenirläden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Regionen, an die das Sauerland zunächst überhaupt nicht erinnert: Ägypten zum Beispiel. Keine Kamele, und statt „Jalla, jalla!“ (etwa „Auf, auf!“) eher „Sach den Blagen, se soll’n nich so’n Krach machen!“</p>
<p>Nein, das Sauerland ist nicht Ägypten. Wer in den Tourismushochburgen der Pharaonenheimat mal Erfahrung damit gemacht hat, in einem der unzähligen Souvenirläden die geschäftstüchtige Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen, weiß, dass zehn Minuten Aufenthalt in der klimatisierten Sitzgruppe und die dankbare Entgegennahme des freundlich offerierten Kaltgetränks mit dem Erwerb von nicht weniger als fünf grotesk überteuerten Plastikpyramiden bestraft wird.<br />
Im Sauerland funktioniert das anders, weil der westfälische Händler niemals auf die Idee verfallen würde, <span id="more-394"></span>seinem Kunden mit einem überschäumenden Lachen entgegenzueilen (was zu begrüßen ist, da ägyptische Händlerhände einen speziellen Klammergriff beherrschen, dem der unerfahrene Europäer nicht so schnell entkommen kann). Der Sauerländer ist halt westfälisch-stur und deshalb zurückhaltend, auch in Dienstleistungszusammenhängen. Doch neulich las ich, die angebliche Sturheit des Westfalen sei in Wahrheit „Hintersinnigkeit“. Ich ahne nun, was damit gemeint ist.<br />
Der Sauerländer Dienstleister brummt nickend zur Begrüßung, wenn der Kunde sein Geschäft betritt. Dann verschwindet er im Lager, und dort bleibt er auch eine Weile. Da hilft kein hilfloses Räuspern, denn der Sauerländer ist nun einmal ortsverbunden, auch wenn der Ort ein Hinterzimmer ist.<br />
Wer indes erscheint, ist die Sauerländer Händlerwaffe: die Dienstleistergattin. Dienstleistergattinnen haben ein einnehmendes Wesen, ein freundliches Lächeln, entschuldigen die Abwesenheit des Ehemanns auf denkbar charmante Weise und bieten zur Überbrückung der Wartezeit ein Stück köstlichen selbstgebackenen Apfelkuchen an. Sie erzählen humorige Geschichten um den ebenfalls anwesenden Hund, der – als wäre er dazu dressiert – mit treuen rehbraunen Augen unverwandt nach oben schaut.</p>
<div id="attachment_396" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-396" title="Äpfel_pixelio_Rainer_Sturm" src="http://www.textsektor.de/blog/wp-content/uploads/2009/09/apfel_pixelio_rainer_sturm1.jpg?w=300" alt="Foto: Rainer Sturm, pixelio.de" width="300" height="199" /><p class="wp-caption-text">Foto: Rainer Sturm, pixelio.de</p></div>
<p>Schließlich taucht der Sauerländer Händler selbst wieder auf; das folgende Gespräch dauert nur etwa fünf Minuten. Die reichen, damit die Ware, mit der man die heimelige Atmosphäre des Geschäfts schließlich verlässt – und man verlässt diese Geschäfte immer mit einer Ware! –, etwa doppelt so viele Produkte beinhaltet wie ursprünglich geplant. Spätestens zurück an der frischen Luft stiftet das Verwirrung. Wie kam es dazu? Die Erklärung: Als man zum Dienstleistergattinnen-Backwerk Ja sagte, konnte man von da an zu nichts anderem mehr Nein sagen. Und mit einem Mal scheint’s, als läge der Duft von Wüste und Meer in der Luft – mitten in Westfalen.</p>
<p>Um auf meine unangemessen einseitige Typisierung ägyptischer Händler zurückzukommen: Ich kenne selber nur zwei, meine Beschreibung darf also keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben. Einer der zwei mir bekannten Händler schwört, sein Name sei Manfred. Ich schätze, Manfred ist nicht repräsentativ.<em> </em></p>
<p><em>Veröffentlicht im <a href="http://suedwestfalenmanager.de/" target="_blank">SÜDWESTFALEN MANAGER</a> (Ausgabe September 2009) unter der Rubrik &#8220;Parallelwelten&#8221;.</em></p>
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		<title>Westfälische Schlichtheit</title>
		<link>http://www.textsektor.de/blog/2009/07/westfalische-schlichtheit/</link>
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		<pubDate>Thu, 02 Jul 2009 06:29:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Ungelogen.]]></category>
		<category><![CDATA[Pragmatismus]]></category>
		<category><![CDATA[Siegen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein finnischer IT-Experte hatte Anfang des Jahres bei einem Verkehrsunfall seinen rechten Ringfinger verloren. Eine simple Prothese war ihm aber nicht pragmatisch genug: Er individualisierte diese Option, indem er in seinen künstlichen neuen Finger ein Speichermedium mit USB-Anschluss integrieren ließ – denn so hat er seine wichtigsten Daten nun immer direkt bei der Hand. (Und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein finnischer IT-Experte hatte Anfang des Jahres bei einem Verkehrsunfall seinen rechten Ringfinger verloren. Eine simple Prothese war ihm aber nicht pragmatisch genug: Er individualisierte diese Option, indem er in seinen künstlichen neuen Finger ein Speichermedium mit USB-Anschluss integrieren ließ – denn so hat er seine wichtigsten Daten nun immer direkt bei der Hand. (Und das könnte nicht wörtlicher gemeint sein.)</p>
<p>Einen Südwestfalen erstaunt eine solche Meldung wohl nicht. Ihn selbst zeichnet ja das Pragmatismus-Gen aus: „Keep it short and simple“ lautet ein ehernes Marketinggesetz, und das muss entweder ein Südwestfale erfunden haben oder in Südwestfalen abgeguckt worden sein<span id="more-367"></span> – die Menschen hier mögen es wahrlich kurz und knackig. Das sieht man an den Siegerländer Sprechgewohnheiten, denn das wichtigste Vokabular der Region besteht aus gerade mal zwei Ausdrücken: „Nodda“ (etwa „Hallo“, „Tschüss“ und „Na denn“) und „Hö-ö“ (ein Zeichen für Zustimmung und Ablehnung sowie Universalwort für ungefähr alles). Völlig ausreichend für den Siegerländer, um große und kleine Geschäfte abzuwickeln – Brötchenkauf wie Konzernübernahme – und Liebeserklärungen zu machen.</p>
<p>Short and simple auch die regionale Namensgebung: Siegen hat zwei Schlösser. Die heißen schlicht „Oberes“ und „Unteres Schloss“ – selbst für Auswärtige leicht zu begreifen. Ein unübersehbares Wahrzeichen schmückt eines von ihnen, ein <a href="http://www.siwitourist.de/sehenswertes/20-Dicker-Turm.html" target="_self">wuchtiger, trutziger Turm. Die offizielle Nomenklatur hat ihm mit fast erschreckend präziser Einfachheit einen Namen verliehen: „Dicker Turm“ </a>heißt er. Wie auch sonst? Naheliegend die Siegerländer Form der Zweitverwertung: So ein Schloss ist groß und hat dicke, stabile Mauern – das ist doch ein prima Knast! So wurde selbiger aus ihm. Nodda.</p>
<p>Praktisch – natürlich! – auch die Drittverwertung: Aus dem Knast wird Uni. Bis 2013 sollen die BWLer Einzug halten; mit absoluter Sicherheit gibt es äußerst westfälische Gründe, weshalb es gerade dieser Fachbereich sein soll. Honi soit qui mal y pense – ein Schelm, wer Arges dabei denkt! Oder die westfälische Oma: Sie überreicht ihren Enkeln Geldgeschenke seit Menschengedenken in Blanko-Grußkarten mit den Worten: „Ich habe nichts reingeschrieben, dann kannst du sie noch mal verwenden.“ Das ist vollkommen ironiefrei – dafür urwestfälisch.</p>
<p>Mag es Folge des leidenschaftslosen Pragmatismus sein oder nicht: Das Siegerland gilt als <em>die </em>Mittelstandsregion Deutschlands. Der Südwestfale macht davon aber kein großes Aufhebens. Er nimmt es zur Kenntnis, nickt und sagt „Hö-ö“. Short and simple.</p>
<p><em>Veröffentlicht im <a href="http://suedwestfalenmanager.de/" target="_blank">SÜDWESTFALEN MANAGER</a> (Ausgabe Juni/Juli 2009) unter der Rubrik &#8220;Parallelwelten&#8221;.</em></p>
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